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	<title>Jenseits von Ego-Blog</title>
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		<title>Ohne &#8222;Wir&#8220; gibt es kein &#8222;Ich&#8220; &#8211; Ein Gespräch mit dem Psychologen Wolfgang Prinz</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 09:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die soziale Ich-Maschine Filed under: Begriffliches Tagged: Ich, Wir<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=229&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/06/die-soziale-ich-maschine.pdf">Die soziale Ich-Maschine</a></p>
<br />Filed under: <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/category/begriffliches/'>Begriffliches</a> Tagged: <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/ich/'>Ich</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/wir/'>Wir</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/229/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/229/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=229&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Jiddu Krishnamurti &#8222;Die Wahrheit ist ein pfadloses Land&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 18:22:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Transformation des Geistes]]></category>
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		<description><![CDATA[In seiner Erklärung von 1929 fasste Krishnamurti den Kern seiner Lehre in den Satz: „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.“ Der Mensch kann weder durch irgendeine Organisation noch durch irgendeinen Glauben, irgendein Dogma, weder durch Priester oder Rituale noch durch philosophisches Wissen oder eine psychologische Methode zur Wahrheit gelangen. Er muss sie durch den Spiegel [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=223&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner Erklärung von 1929 fasste Krishnamurti den Kern seiner Lehre in den Satz: „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.“ Der Mensch kann weder durch irgendeine Organisation noch durch irgendeinen Glauben, irgendein Dogma, weder durch Priester oder Rituale noch durch philosophisches Wissen oder eine psychologische Methode zur Wahrheit gelangen. Er muss sie durch den Spiegel seiner Beziehungen entdecken, durch das Verstehen der Inhalte seines eigenen Geistes, durch Beobachtung und nicht durch intellektuelle Analyse oder ein Zergliedern seines Innenlebens. Der Mensch hat sich zu seiner Sicherheit einen Schutzwall aus religiösen, politischen und persönlichen Bildern errichtet. Diese manifestieren sich als Symbole, Ideen und Glaubensinhalte. Die Last dieser Bilder beherrscht das Denken, die Beziehungen und das tägliche Leben des Menschen. Sie sind die Ursachen unserer Probleme, denn sie trennen den Menschen vom Menschen. Seine Wahrnehmung des Lebens wird von den Vorstellungen geformt, die sich bereits in seinem Geist festgesetzt haben. Der Inhalt seines Bewusstseins ist sein ganzes Dasein. Dieser Inhalt ist der ganzen Menschheit gemeinsam. Die Individualität ist der Name, die Form und die oberflächliche Kultur, die ihm aus seiner Tradition und Umwelt vermittelt wurde. Die Einzigartigkeit des Menschen besteht jedoch nicht in Äußerlichkeiten, sondern in der vollkommenen Freiheit vom Inhalt jenes Bewusstseins, das allen Menschen gemeinsam ist. Somit ist er kein Individuum.</p>
<p>Freiheit ist keine Reaktion; Freiheit ist nicht Wahl. Der Mensch bildet sich ein, frei zu sein, weil er eine Wahl hat. Freiheit ist reine Beobachtung ohne Richtung, ohne Angst vor Strafe oder Belohnung. Freiheit ist ohne Motiv. Freiheit steht nicht am Ende der Evolution des Menschen, sie liegt vielmehr im ersten Schritt seines Daseins. In der Beobachtung beginnt man das Fehlen der Freiheit zu entdecken. Freiheit finden wir im unvoreingenommenen Gewahrsein unseres täglichen Lebens und Handelns.</p>
<p>Denken ist Zeit. Denken wird aus Erfahrung und Wissen geboren, die untrennbar von der Zeit und der Vergangenheit sind. Die Zeit ist der Feind der menschlichen Psyche. Unser Handeln gründet sich auf Wissen und somit auf Zeit, und so ist der Mensch immer ein Sklave der Vergangenheit. Das Denken ist immer begrenzt, daher leben wir in ständigem Konflikt und Kampf. In der Psyche gibt es keine Evolution.</p>
<p>Wenn der Mensch sich seiner eigenen gedanklichen Vorgänge bewusst wird, dann wird er die Trennung zwischen dem Denker und dem Gedanken, dem Beobachter und dem Beobachteten, dem Erfahrenden und der Erfahrung erkennen. Er wird entdecken, dass diese Trennung eine Illusion ist. Erst dann kommt es zu der reinen Beobachtung, die Einsicht ist, ohne einen Schatten der Vergangenheit oder der Zeit. Diese zeitlose Einsicht bewirkt eine tiefe, radikale Transformation des Geistes.</p>
<p>Totale Negation ist die Essenz des Positiven. Nur aus der Verneinung all der Dinge, die das Denken in der Psyche erzeugt hat, geht die Liebe hervor, die Mitgefühl und Intelligenz ist.</p>
<p>Auszug aus &#8222;Vollkommene Freiheit &#8211; Das große Krishnamurti Buch&#8220; erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag</p>
<br />Filed under: <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/category/lebendiges/'>Lebendiges</a> Tagged: <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/denken-ist-zeit/'>Denken ist Zeit</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/handeln/'>Handeln</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/jiddu-krishnamurti/'>Jiddu Krishnamurti</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/transformation-des-geistes/'>Transformation des Geistes</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/vergangenheit/'>Vergangenheit</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/wissen/'>Wissen</a>, <a href='http://jenseitsvonego.wordpress.com/tag/zeit/'>Zeit</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/223/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=223&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Siegfried Essen: &#8222;Den Platz im Ganzen finden&#8220;</title>
		<link>http://jenseitsvonego.wordpress.com/2010/02/03/siegfried-essen-den-platz-im-ganzen-finden/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 15:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lebendiges]]></category>
		<category><![CDATA[Aufstellungsarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Den Platz im Ganzen finden]]></category>
		<category><![CDATA[Ich und Selbst]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiritualität in der Aufstellungsarbeit [1] Sagt nicht, ich wäre ich, denn ich bin nicht in mir. Es gibt ein Ich in mir, weit innen und zugleich jenseits von mir. Yunus Emre (Sufi-Dichter, 14. Jh.) Verbundenheit und Getrenntheit, zwei Seiten unserer Natur Über Spiritualität, das Berührt-Werden vom Sein, kann man nicht wirklich sprechen. Man kann es [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=206&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/02/essen.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-207" title="essen" src="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/02/essen.jpg?w=124&#038;h=150" alt="" width="124" height="150" /></a>Spiritualität in der Aufstellungsarbeit</strong> <a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#1">[1]</a></p>
<p><em>Sagt nicht, ich wäre ich,<br />
denn ich bin nicht in mir.<br />
Es gibt ein Ich in mir,<br />
weit innen und zugleich jenseits von mir.<br />
Yunus Emre (Sufi-Dichter, 14. Jh.)</em><br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>Verbundenheit und Getrenntheit, zwei Seiten unserer Natur</strong></p>
<p>Über Spiritualität, das Berührt-Werden vom Sein, kann man nicht wirklich sprechen. Man kann es weder mit Begriffen noch mit Bildern fassen, aber man kann und will und muss davon erzählen, irgendwie darauf hinweisen. Vielleicht ist dazu in erster Linie die Kunst geeignet: Musik, Poesie, Malen, Tanzen; und erst in zweiter Linie die erklärende Sprache. <a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#2">[2]</a></p>
<p>Heute möchte ich von einer Ich-Selbst-Aufstellung erzählen, die mich berührt hat. Ein paar Worte vorweg: Wir trennen ja in jeder Aufstellung [<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#3">3</a>] das, was allerengstens zusammengehört, seien es die Teile eines Familiensystems, eines Körpers oder eben das Ich und das Selbst. Aufstellen ist, als ob man Trennung schafft, um Verbundenheit zu erleben. Was ist, wenn man in einer Art Metaaufstellung diese beiden Vorgänge aufstellt: Das Trennen und das Verbinden. Das Ich und das Selbst sind für mich vorläufige Namen für unsere Getrenntheit und unsere Verbundenheit. Vielleicht die zwei elementaren Vorgänge in uns, deren Zusammenspiel alles enthält, was menschliche Existenz beinhaltet.</p>
<p>Maria sucht Ingeborg für ihr Selbst und Sylvia für ihr Ich aus. Kaum aufgestellt und von mir dazu ermutigt, sich einen guten Platz im Ganzen zu suchen, drückt sich das Ich in eine Ecke des Raumes. Das Selbst steht in der Mitte. „Wo sonst?“ denke ich als Zuschauer, belustigt und neugierig zugleich.</p>
<p>Niemand weiß, wie es weitergeht. Die eben erwähnten Bedeutungsgebungen sind ja wirklich nur Andeutungen für ein undurchdringliches Paradox. Eigentlich eine verdeckte Aufstellung. „Ich“ und „Selbst“ als Code-Namen, als Rahmen für ein Geschehen, das in seiner Bedeutung und in seinem Verlauf völlig offen ist. Klar ist nur, dass Marias Ich-Selbst zusammengehört. Es gibt auch keine eindeutige Zielvorstellung, nur die Anweisung für beide: „Such dir deinen guten Platz im Ganzen, und sei frei.“ es gibt aber auf jeden Fall noch als Ressource die Erfahrung der Repräsentantinnen aus früheren Aufstellungen und aus ihrem Leben, nämlich von gleichzeitigem Freisein und Geführtsein.<br />
<strong><span id="more-206"></span>„Ich halte dich nicht aus. Aber ich muss hin.“<br />
</strong><br />
Das Ich hält die Hände vors Gesicht, schaut weg. Das Selbst macht ein paar Schritte auf das Ich zu. Dieses krümmt sich noch mehr in die Ecke und flüstert fast unhörbar: &#8222;Komm mir nicht zu nahe.&#8220; Das Selbst weicht zurück auf seinen Mittelpunkt. Das Ich geht zu Boden. Es braucht eine Ewigkeit, bis es sich wieder rührt. Auch das Selbst lässt sich auf dem Boden nieder und wird ganz still. Offenbar merkt das das Ich und wendet sich langsam dem Raum und dem Selbst wieder zu. Auf allen Vieren und millimeterweise, das Selbst nicht aus den Augen lassend, kriecht das Ich auf das Selbst zu. Das Selbst schaut freundlich, wendet aber den Kopf hin und wieder vom Ich weg und beginnt sich mit sich selbst zu beschäftigen. Plötzlich ruft das Ich, offenbar in höchster Not: „Ich halt das nicht mehr aus. Ich will hin. Aber es wird mir zu heiß&#8230;.. Ich halte dich nicht aus,&#8230;. aber ich muss hin.“ Das Ich wirft einen Überhang weg und bewegt sich wie in Hypnose weiter auf das Selbst zu.</p>
<p>Das Selbst aber, zu meinem blanken Therapeutenentsetzen, schneidet Grimassen und macht Faxen. Vor Schreck fällt mir nichts ein, was ich tun könnte, vielleicht auch verhindern unsere vereinten Schutzengel, dass ich mich einmische. Plötzlich auf halbem Wege zeigt auch das Ich dem Selbst eine lange Nase und schneidet selbst Grimassen, dabei bewegt es sich aber weiter auf das Selbst zu. Das Selbst bleibt einfach sitzen.</p>
<p>Jetzt sitzen sie sich gegenüber und schauen sich ernst und offen in die Augen. Im Zuschauerraum ist es sehr still. Sie sind auf gleicher Höhe. Sie sind gleich. Das Selbst berührt mit einer Hand das Knie des Ich. Das Ich berührt mit einer Hand des Knie des Selbst. Beide Hände finden den Körper des Gegenübers. Die Hände des Ich wandern zu den Schultern des Selbst. Die Arme des Selbst umfangen das Ich. Sie umarmen sich. Aus meiner Perspektive kann ich nur die Hände des Ich beobachten: Seine linke Hand hält das Selbst fest, seine rechte legt sich immer wieder liebevoll und mit der ganzen Handfläche auf den Rücken des Selbst, hält und lässt los, hält und lässt los. Das ist Gegenwärtigkeit, das ist Begegnung, das ist Sehnsucht pur. Vielen von uns kommen die Tränen. Es dauert lange. Dann stehen beide gleichzeitig auf, trennen sich, stehen nebeneinander und beginnen sich umzuschauen. Ihre Gesichter sind weich und strahlend.</p>
<p>Es wird klar, dass dieser Prozess für den Augenblick vollendet ist. Ich bitte Maria aufzustehen und sich auf den Platz des Ich zu begeben und sich die Ich-Wirklichkeit im Spüren und im Schauen einzuverleiben. Nach einer Zeit bitte ich sie, dasselbe auf dem Platz des Selbst zu tun und dann mit dem Kopf zu nicken, wenn sie bereit ist, das Vermächtnis des Ich zu hören. Danach nimmt sie wieder den Platz des Ich ein und hört sich das Vermächtnis des Selbst an.<br />
<strong>Der Furcht ins Auge blicken aber der Sehnsucht folgen.<br />
</strong><br />
Die Angst vor der Unendlichkeit und gleichzeitig die Sehnsucht nach ihr, ist das nur Marias Problem? Haben nicht die meisten Menschen entschieden, zu glauben, dass uns die Auflösung bevorsteht, wenn wir dem Tod und der Unendlichkeit begegnen? Die meisten speisen aus diesem Glauben ihre Existenzangst.</p>
<p>Was ist aber, wenn Unendlichkeit und Endlichkeit zusammengehören, wenn Schöpfer und Schöpfung einander bedingen und brauchen, wie Ich und Selbst, statt dass das Eine das Andere verschlingt? Was ist, wenn es wie in dieser Aufstellung für unser Ich, unsere endliche Form, immer darum ginge, der Furcht ins Auge zu blicken und der Sehnsucht, aber nicht der Furcht zu folgen, sondern der Sehnsucht, und das volle Risiko der Auflösung, der Verbrennens auf sich zu nehmen? Und irgendwie geschieht das Vergehen des Ich wirklich, aber ebenso wirklich ist auch das Geschenk des körperlichen Erlebens von Begegnung und Liebe und die Entdeckung, dass der strafende oder überwältigende Gott eine Lüge ist.</p>
<p>Und noch eine ewige Wahrheit leuchtet in jeder Aufstellungsarbeit auf, nämlich dass wir in Beziehung leben, ja, dass wir Beziehung sind. Wir sind Schnittpunkte von Begegnung. Eine isolierte Existenz gibt es nicht, ist eine Konstruktion unseres Geistes. Nach jeder miterlebten Aufstellung sind wir in diesem Sinne etwas demütiger.<br />
Sylvia, die das Ich gespielt hat, schrieb mir ein paar Wochen später die folgenden Zeilen:</p>
<p>„Ich schildere dir den für mich wichtigsten Teil in meiner Rolle als Ich: Der Weg zum Selbst bestand aus sehr vielen inneren Kämpfen. Die Albernheit, ja Leichtigkeit des Selbst war für mich peinlich, abstoßend, gefährlich und faszinierend zugleich. Aus der Angst wurde Trauer, denn ich erkannte meinen verleugneten Anteil in diesem Grimassenspiel. Die mahnende Vorsicht stand wie eine Wand zwischen uns, und erst als ich im Hintergrund deine Stimme wahrnahm, die mich daran erinnerte, völlig frei in meiner Entscheidung zu sein, dachte ich: Jetzt oder nie, zurück kann ich ja immer noch.</p>
<p>Von da an schien ich zum Selbst geführt zu werden. Das Gedanken-Karussell blieb einfach stehen, es gab weder Raum noch Zeit. Glückseligkeit durchflutete mich und es gab nur ein Ziel&#8230;&#8230;. Weißt du, diese Rolle übernehmen zu dürfen war für mich ein himmlisches Geschenk, denn noch nie zuvor war die Erfahrung des Geführt-Werdens so intensiv für mich.“<br />
<strong>Freisein ist Geführtsein, Geführtsein ist Freisein<br />
</strong><br />
Es ist paradox: Die Erlaubnis der Freiheit führt nach Innen, wirft mich auf mich selbst zurück, und das Horchen nach innen, das Gehorchen, erzeugt die Erfahrung des Geführtseins. Freisein ist Geführtsein, Geführtsein ist Freisein, nicht in der Theorie, aber in der konkreten Erfahrung einer authentisch gespielten Rolle. Der Himmel ist kein Ort, sondern ein Erleben. Ich habe eine Aufgabe im Ganzen. Ich spiele für das Ganze eine Rolle. Es geht nicht um den Sieg des Selbst und den Untergang des Ich, sondern um das Erleben von Kongruenz und Einheit beider, die Einheit von Freiheit und Hingabe, von Agens und Kommunio, wie Wilber sagt.</p>
<p>Dieses Übereinstimmen beider wird als Freude oder Glück erlebt, als Stille oder Leersein, als Auflösung oder als Einfachheit, als Liebe oder als Kraft. Eine solche Erfahrung ist immer nährend. Mein Zen-Lehrer Richard Baker-roshi hat neulich gesagt,: „Sorgt dafür, dass alles, was ihr tut, nährend ist.“ Jede Rolle ist für mich inzwischen, wie Sylvia formuliert hat, „ein himmlisches Geschenk“, und das nicht nur in der Aufstellungsarbeit. Aber in der Aufstellungsarbeit ist es besonders leicht, sich „die Freiheit der Kinder Gottes“ zu erlauben. Ich vermute, weil wir da fremde Rollen übernehmen und uns deshalb weniger unserer Identität verpflichtet fühlen, zu deutsch: uns nicht so wichtig nehmen. Das ist Spiel und höchster Ernst zugleich.[<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#4">4</a>]</p>
<p>Das erinnert mich an einen wunderbaren Vortrag über Versöhnung, den Matthias Varga von Kibéd im Mai in Würzburg gehalten hat. Ich hoffe, er wird veröffentlicht. Er sagte, dass Versöhnung, Hingabe, Glückseligkeit und Ähnliches in vielen alten Traditionen als Gottesnamen bezeichnet werden, weil wir sie nicht machen können. Und er zitierte mal wieder den wunderbaren Satz von Ibn al Arabi: „Es gibt nur zwei Dinge zu tun, das Notwendige und das Unmögliche.“ Wenn uns aber das Unmögliche gelingt, so Matthias, dann sind wir nicht stolz, sondern dankbar. Stolz sind wir nur auf Mittelmäßiges.<br />
Eine Erfahrung ins Licht halten, bis sie leuchtet.</p>
<p>Ich habe daraufhin für mich selbst einmal geschaut, worauf ich stolz bin. Irgend ein Ereignis. Dann habe ich das selbe Ereignis gedreht und gewendet, bis ich dankbar dafür war. So habe ich mit mir selbst narrative Therapie gemacht. Das geht. Und ich versichere euch, es lohnt sich. Es ist, wie wenn man eine Erfahrung in den Himmel hebt. Es leuchtet seither hundert mal so viel. Es nährt. Hebt alle eure Erfahrungen in den Himmel.</p>
<p>Vielleicht ist das auch eine schöne Metapher für Aufstellungen und Therapien überhaupt: Eine dunkle, verschlossene Erfahrung ins Licht heben, um aus narzistischer Kränkung oder Stolz zu Dankbarkeit zu gelangen und Isoliertes wieder mit dem Lebensstrom zu verbinden.</p>
<p>Maria, die Protagonistin dieser Ich-Selbst-Aufstellung, schilderte es jedenfalls genau so. Sie schrieb mir das Folgende auf meine Bitte hin, ohne meine oder irgend eine der anderen Beschreibungen zu kennen. (Sie hat sich wie gewöhnlich vor allem mit dem Ich identifiziert.) Ich zitiere wieder wörtlich:</p>
<p>„Ängstlich und trotzig hocke ich zusammengekauert im hintersten Winkel meiner Höhle. Ich fühle mich ungeliebt, abgeschoben, zurückgestoßen, ausgeklammert, nicht gut genug. Ich bin es nicht würdig im Fluss des Lebens mich zu erfreuen. Alle anderen dürfen es. Ich bin gestrandet und sehe den anderen zu. Gerne würde ich auch mit dabei sein, so sein wie sie. Chaotische Wellengänge von Resignation, Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung, Ohnmacht und Selbstablehnung durchziehen mein ganzes Sein. Eine dicke Eisschicht hält mich zusammen.<br />
<strong>Ich atme und werde geatmet.<br />
</strong><br />
Plötzlich vernehme ich einen unüberhörbaren Klang in meinem Inneren. Er unterscheidet sich deutlich von allen anderen Geräuschen in mir. Er klopft nochmals an. Er beginnt sich zu bewegen, und ich bewege mich &#8211; heraus aus dieser Höhle. Auf allen Vieren taste ich mich vorwärts. &#8222;Darf ich das eigentlich?&#8220;, kommt es aus meinem Hinterkopf. Im selben Moment schiebt es mich noch weiter vorwärts. Zweifel verwandelt sich in unbeschreibliche Lust. Die Spannung steigt, der Atem stockt für einen Moment &#8211; aber jetzt &#8211; jetzt kann ich es vernehmen. Zwei Arme breiten sich vor mir aus, zwei Augen sehen in meine Augen, ein Willkommensgruß berührt mein Herz, bedingungslos öffnet sich ein Schoß, ich tauche ein und versinke in der Tiefe einer unendlichen Geborgenheit. Behütet und genährt spüre ich den Atem der Erde, zwei Hände halten mich bergend und beschützend, tiefste Berührung durchpulst mich. Ich atme und werde geatmet, ich berühre und werde berührt, ich verstehe und werde verstanden, ich öffne mich ganz. Alle Grenzen schmelzen, alle Unterschiede heben sich auf &#8211; nun wird es noch mehr &#8211; ich kann es kaum fassen &#8211; ich richte mich auf &#8211; kosmisch göttlicher Strom durchflutet mich und lässt mich eins werden, ganz werden. ICH UND DU &#8211; HIMMEL UND ERDE -wunderbar!“</p>
<p>Wenn man bedenkt, dass Maria diese Beschreibung formuliert hat, ohne mit mir oder irgend einer Repräsentantin darüber gesprochen zu haben oder unsere Berichte gelesen zu haben, so fällt die hohe Übereinstimmung in der Wahrnehmung der tiefen inneren Prozesse zwischen Protagonistin und beiden Repräsentantinnen auf, das Phänomen der sog. repräsentierenden Wahrnehmung ist viel untersucht worden hinsichtlich der Wahrnehmung der RepräsentantIn. Ebenso erstaunlich ist die Wahrnehmungsleistung der Protagonistin. Alle mir bekannten Erklärungsversuche, auch die von einem wissenden oder morphogenetischen Feld, gehen auf ein lineares Sender-Medium-Empfänger-Modell zurück und ignorieren damit Verbundenheit und Synchronizität, die Wirklichkeit des Selbst. Was, wenn unsere Wirklichkeit Getrenntheit und Verbundenheit ist? Mit der Einführung eines Mediums schaffen wir die Getrenntheit von Sender und Empfänger, Kausalität und lineares Denken. Aber müssen wir damit unsere fundamentale Einheit gleich leugnen? „Es geht um das Erwachen zu beiden Seiten unserer Natur,“ sagt Ama Samy, auch ein Zen-Lehrer, „der Form und der Leere.“<br />
<strong>Ist nonduales Denken wissenschaftsfähig?<br />
</strong><br />
Ich bin bisher (unbewusst, was keine Entschuldigung ist) viel zu oft davon ausgegangen, dass die Wahrheit des Einsseins nicht wissenschaftsfähig ist, das nonduale Denken, das nichtbegriffliche, spürende Wahrnehmen, die Annahme von Synchronizität und Nicht-Lokalität.</p>
<p>Die Forscher-Gruppe um Anton Zeilinger hat kürzlich experimentell gezeigt, dass die Veränderung eines Quantums sich augenblicklich auch an einem anderen mit diesem verschränkten, aber räumlich getrennten Quantum zeigt. Da beide Vorgänge völlig synchron und unabhängig von der räumlichen Distanz passieren, gibt es dafür, wie er selbst sagt, keine Erklärung.</p>
<p>Es ist nicht erklärbar, aber experimentierbar. Lassen wir uns also nicht mit Pseudoerklärungen abspeisen, die mit dem Wort Tele anfangen, Teleportation, Telekommunikation, Telepathie usw. oder die mit dem Wort Feld operieren.</p>
<p>Spiritualität ist Erfahrungswissen, auf das man nur in paradoxen Formulierungen, in Geschichten oder in Kunstformen hinweisen kann. Wir fordern auch nicht in unseren Aufstellungen den Glauben an Synchronizität, (Glauben Sie an das wissende Feld? Bitte hier unterschreiben. Unglaube gefährdet Ihre Gesundheit.) sondern wir rechnen mit ihrer Wirklichkeit und lassen sie so geschehen. Die notwendige und unmögliche Folge sind die vielen Wunder, die wir in der Aufstellungsarbeit erleben. Oft kommen wir aus dem Staunen nicht heraus, oder es läuft uns ein Schauer nach dem anderen über den Rücken und wir können es gar nicht fassen. Die alten Mystiker sagen, dass das die beiden gemäßen Reaktionen des Menschen auf die Begegnung mit Gott sind: Staunen und/oder Erschrecken, Entzückung oder Furcht. Und natürlich folgen daraus die Versuche, es zu fassen und zu bezeugen in Worten, Bildern, Bewegungen, Musik usw. Aber nicht gemäß ist es, daraus einen Gottesbeweis zu machen.</p>
<p>Ich möchte uns das Staunen erhalten und lese nun den vierten Bericht des selbigen Aufstellungsgeschehens aus der Sicht der Selbst-Repräsentantin, Ingeborg, vor. (Sie hat meinen Bericht und den der Ich-Repräsentantin gekannt.)<br />
<strong>Die Verschmelzung mit dem ICH – unser gemeinsames Ankommen im Hier und Jetzt<br />
</strong><br />
„Sowie ich als SELBST aufgestellt war, war mir mein guter Platz,- nämlich im Mittelpunkt des Beziehungsfeldes von ICH und SELBST,- sofort bewusst. Ich ging gleich dort hin, doch da war kein ICH. Was hilft mir als SELBST meine Klarheit, wenn mein Partner, das ICH, nicht da ist. In diesem Moment war meine Selbstherrlichkeit in Frage gesellt. Schuldbewusst machte ich mich auf den Weg, um das ICH zu suchen. Das ICH wollte aber von mir nichts wissen. Nach einem Anfall von Hilflosigkeit erinnerte ich mich wieder an mein ursprüngliches Gefühl meiner Selbstsicherheit. Jetzt hatte ich den Mut, mich ohne das ICH ins Zentrum des Beziehungsfeldes zu stellen.</p>
<p>Ich war mir „todsicher“, dass das ICH seinen Weg zu mir selber finden wird, und so konnte ich mich hemmungslos und ungeniert auf Beziehungsspielchen mit ihm einlassen, ohne noch mit Macht- und Ohnmachtsgefühlen kämpfen zu müssen.</p>
<p>Vielmehr konnte ich nun in der Rolle des SELBST eine „himmlische“ Präsenz im Hier und Jetzt erleben. In dieser Rolle war ich bezüglich unseres Zusammenfindens absichtslos, weil ich eben diese Absicht des Findens selber war. Als SELBST hatte ich für das ICH unendlich viel Zeit, ich war wie in einem ewigen Jetzt. Ich war zu allem bereit, weil ich mich als die Bereitschaft selbst erlebte.</p>
<p>Ich bewertete weder die Handlungen des ICH noch die meinen als SELBST, weil ich mich und das ICH als den Wert schlechthin erlebte. Mein Agieren im Beziehungsfeld war von Freiheit und Unschuld geprägt, weil ich mich wie das Tun in Freiheit und Unschuld schlechthin erlebte. Es gab für mich als SELBST unendlich viele Möglichkeiten, Liebe auszudrücken – ich war wie der permanente Ausdruck von Liebe selbst. Die Verschmelzung mit dem ICH – unser gemeinsames Ankommen im Hier und Jetzt – war von meiner Seite her wohl möglich, weil ich als SELBST das unumschränkte Ja zu Grenze und Endlichkeit hatte. Wie gerne würde ich jeden Tag einmal mit mir selbst eine ICH &#8211; SELBST Aufstellung spielen.“ &#8211;Warum nicht?<br />
Die auf Heimkehr gerichtete Bewegung</p>
<p>Nach meiner Erfahrung gibt es einen Ablauf, der in fast jeder Ich-Selbst-Aufstellung vom ich durchlaufen wird. Das Ich muss sich scheinbar erst einmal vom Selbst abwenden und irgendwie entfernen, angefeuert durch Emotionen wie Furcht, Ärger, Scham usw. diese Phase gelangt bis zu einem äußerst Punkt, den man Umkehrpunkt nennen könnte. Anscheinend werden hier Sehnsucht und Verbundenheit stärkerer als die Fliehkräfte oder vielmehr bewusster. Im Zusammenspiel mit dem Selbst testet das Ich Freiheit und Verbundenheit. Am Umkehrpunkt ergreift das Ich mit äußerstem Mut und Entschlossenheit seine Freiheit und entscheidet sich für die Rückkehr.[<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#5">5</a>]</p>
<p>Es folgt „die auf Heimkehr gerichtete Bewegung“, wie Martin Buber es nennt. Zuerst herrscht noch das Gefühl von Mut und Risiko, von Furcht und Zittern. Man schaut misstrauisch und ängstlich zum Selbst und gleich wieder weg. Das Selbst könnte sich wieder in diesen Dämon verwandeln, den man erst produziert, dann mit seinen Gedanken genährt, dann projiziert und gefürchtet hat. Man durchschaut das Spiel, aber um das Gesicht nicht zu verlieren und auch um wirklich sicher zu sein, spielt man es noch ein wenig weiter. Man schaut, man testet, man spürt in sich hinein. Dem Selbst scheint das sehr zu gefallen. Aber dann kommt doch die Phase der eindeutigen Hinbewegung. &#8222;Halb zog sie ihn, halb sank er hin.&#8220; Es endet mit einem Vorgeschmack von Verschmelzung und Befreiung. Woraufhin sich beide wieder nach außen wenden. Auf ein Neues, aber jedes Mal mit etwas mehr Bewusstheit: der Verbundenheit und der gleichzeitigen Freiheit.</p>
<p>Dieser archetypische Ablauf findet sich in unzähligen mystischen und schamanischen Wegbeschreibungen und wird in den Ritualen vieler Traditionen nachvollzogen. Es wird auch deutlich, dass er in seinen emotionalen und körperlichen Ausformungen unendlich viele individuelle Spielarten zulässt. Das geht von Heldenreise, über Seelenrückführung bis Höllenfahrt. Die Rolle des Selbst dabei ist überhaupt nicht einzuordnen bzw vorhersehbar. Manchmal verhält es sich ruhig, freundlich-zugewandt, manchmal spielt es verrückt ganz gegen unsere Vorstellungen. Es nimmt sich oft noch mehr Freiheiten heraus als das Ich, zeigt sich als Narr oder ängstlich-abhängig oder ärgerlich-provozierend, die ganze Palette der menschlichen Persönlichkeit.</p>
<p>Man ist geneigt, das als Agieren zu sehen und der Person der RollenspielerIn zuzuschreiben. Man kann das aber auch anders interpretieren: Das Selbst als Repräsentant von Leere und Bedingungslosigkeit ist die ideale Projektionsfläche für Gefühle, die das Ich gerade durchmacht. Und es stellt sich dafür freiwillig zur Verfügung, es spielt mit. Stellvertretend oder spiegelnd unterstützt es mit Gesten und Bewegungen die Schritte des Ich. Freundlich-erlaubend oder paradox provozierend, aber ohne Gewalt.</p>
<p>Wenn man das Verhalten des Selbst so sieht, braucht man als Leiter weniger einzugreifen, keine Projektionsablösungen zu vollziehen oder gar Personen auszuwechseln. Auf längere Sicht lohnt sich eine solche Zurückhaltung. Das Selbst verhält sich wie die Liebe im ersten Korintherbrief. Es akzeptiert alles, macht alles mit, hält allem stand und fürchtet kein Unglück.</p>
<h4>Wir brauchen nichts von aussen, um glücklich zu sein.</h4>
<p>Für diese Art der Aufstellungen ist es typisch, dass alle Beteiligten, sowohl Zuseher als auch Repräsentanten, als auch Leiter und selbstverständlich die ProtagonistIn sich genährt fühlen. Die Logik des Nullsummenspiels und das moderne Mangeldenken sind außer Kraft.[<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#6">6</a>]</p>
<p>Der grundsätzlichste aller Irrtümer von alters her ist die Glaubensvorstellung, dass Gott etwas braucht, d.h. dass Gott bzw. das Leben etwas von uns verlangt, dass wir unfrei sind. Man muss nicht an Gott glauben, um von diesem Konstrukt beeinflusst zu werden. Das Leben in Mangel, Ungenügen oder Sündenbewusstsein hat viele Namen und viele Anhänger. Der Glaube, dass wir etwas brauchen, das Anhaften in Furcht oder Begehren entlarvte schon Buddha als den leiderzeugenden Irrtum des Menschen. Gott oder unsere tiefste Wirklichkeit hat nichts nötig. Unser Selbst braucht nichts, um glücklich zu sein. Es ist die Glückseligkeit selbst. Deshalb verlangt es von nichts und niemandem im Universum irgend etwas.</p>
<p>Ich habe diese Einstellung früher Ressourcenorientierung genannt. Das ist zumindest missverständlich. Wenn wir fordern, an das Gute zu glauben, statt an das Böse, dann sind wir noch auf der selben Ebene des Denkens, dann haben wir nur die Vorzeichen gewechselt. Das Böse lässt sich nicht ausrotten durch sein Gegenteil. Das Mangeldenken wird niemals behoben durch Produktion oder Konsum. Und Heilung ist nicht möglich durch Bekämpfung von Krankheit. Es geht vielmehr um einen Ebenenwechsel im Denken-Wahrnehmen. Und dieses Um-Denken-Wahrnehmen (metanoia, wörtlich übersetzt) geht nicht nur im Kopf vor sich, sondern ist ein ganzheitlicher Vollzug. Ich gebe ein paar Beispiele aus der Aufstellungsarbeit:</p>
<p>1. Aufstellungsarbeit als Intuitionstraining. Die Erlaubnis für die Repräsentanten, von den semantischen Informationen wegzugehen und sich immer mehr der körperlichen Wahrnehmung in der Relation zu den anderen hinzugeben. Ich habe das bei unserer letzten Tagung leibliches Verstehen genannt, subtile, simultane, synästhetische Wahrnehmung und Denken. Da wird metanoia praktiziert.</p>
<p>2. Unterschiede wichtiger nehmen als Inhalte. Sich weniger auf die semantischen Informationen als auf Unterschiede konzentrieren. D.h. mit Buber und Bateson die Beziehungen für wesentlicher halten als die Phänomene. Wir können verstehen, was besser ist, sagt de Shazer, ohne wissen zu müssen, was gut heißt. Semantische Aufstellungsarbeit, die sich an bestimmten wünschenswerten Qualitäten orientiert, ist nur wieder eine weitere verführerische Lösung erster Ordnung und wird zu Recht mit den autoritären Religionen und Therapien verglichen. Syntaktische, prozessorientierte Aufstellungsarbeit ist eine sinnvollere Antwort auf den Fundamentalismus und der damit einhergehenden Angst, denen wir heute an allen Ecken und Enden begegnen.</p>
<p>3. Der Aufstellungsleiter ist nicht so sehr Leiter als vielmehr Gastgeber. Und Gastgebersein ist eine sakrale Funktion. Ich zitiere dazu Matthias aus seinem Würzburger Vortrag: „In dem Maße, wie ich Aufstellungen leite, beschädige ich den Prozess“. Als Gastgeber ist man Regisseur und Diener, Lehrer und Schüler, man ist draußen und drinnen, man sieht und verharrt im Handeln durch Nicht-Handeln,[<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#7">7</a>] man verlangt das Unmögliche und lässt gleichzeitig bedingungslos frei.[<a href="http://www.hollinetz.org/essen/vortraege.php?WEBYEP_DI=4#8">8</a>]</p>
<p>4. Beabsichtigen und Absichtslosigkeit. Da geht es nicht um Beliebigkeit, sondern um das Beabsichtigen und Wünschen mit aller Kraft, die intensive Zielarbeit, und doch dann so etwas wie das Fallenlassen der Absicht, das Vergessen des Zieles, das vertrauensvolle Abgeben einer Bestellung ans Universum. Anders ausgedrückt: Ein Bewusstsein davon haben, dass wir das Unmögliche wollen, das nicht Machbare, und in diesem Bewusstsein alle Anstrengungen machen, es zu erreichen. Was wir erfahren ist dann immer ein Geschenk.</p>
<p>5. Ich finde erst einen guten Platz im Ganzen, wenn alle einen guten Platz haben. Diese Realisierung oder Befreiung ist nicht möglich auf Kosten der anderen. Hier wird das Mangeldenken falsifiziert. Bei der Verwirklichung einer Rolle geht es immer darum, seinen Platz im Ganzen zu finden. Seine Aufgabe für das Ganze, die wichtig ist, aber nicht alles. Alle anderen sind ebenso wichtig und zwar wirklich alle. Wir erreichen einen guten Platz im System erst, wenn alle anderen auch einen guten Platz haben. Das ist wahrzunehmen. Seine Rolle mitten unter den anderen ganz auszufüllen, das ist Vollkommenheit, das ist der Himmel.</p>
<p>6. Unsere Seele dehnt sich aus, wie das Universum. „Das Himmelreich ist mitten unter euch,“ hat Jesus gesagt. Verwirklichung des Zukünftigen in der Gegenwart. Keine Angst, da bleibt noch immer genug Spannung und Potenzialität. Wir brauchen dem Mangeldenken nicht den kleinsten Finger zu reichen, um Entwicklung zu gewährleisten. Das Himmelreich, das seinen Namen verdient, ist in Bewegung. Unsere Seele dehnt sich aus, wie das Universum. Das ist unser Wesen. Natürlich stoßen wir dabei immer wieder an Grenzen und es entsteht Angst. Oder wir erleben die Befreiung nicht mehr als ruhige Ausdehnung, sondern als Explosion. All das gehört dazu, zu unserer und Gottes Selbstschöpfung, zum autopoietischen Prozess des Lebens. Dem Schicksal zustimmen, die eigene Rolle ganz ausfüllen, das ist es, mehr nicht. Ganz egal auf welcher Bühne, in welcher Szene oder in welcher Familie. Wir sind das, was wir erschaffen, schwindelerregend frei. Da gibt es keinen Dirigenten von Außen und keine vorgeschriebene oder beste Richtung. Da ist alles, was geschieht, neu. Das geht von Transformation zu Integration zu neuer Transformation, wie Ken Wilber sagt. Und das macht selbstverständlich Angst.</p>
<p>7. Die Ausdehnung der Seele ist ohne Ende. Es handelt sich meines Erachtens um einen unendlichen Prozess, der nicht aufhört mit der Erleuchtung oder dem integralen Bewusstsein. Das wäre ja wieder eine Endlösung. Aber mit integralem Bewusstsein meinen Jean Gebser und Ken Wilber wohl dies: Das bewusste Einstimmen in die nicht endende, zeit- und raum-transzendierende Ausdehnung der Schöpfung in uns und um uns. Nebenbei: Das mahayana-buddhistische Wort Shunyata, meist mit Leerheit übersetzt, bedeutet sowohl das Hohle als auch das wie ein Mutterleib Schwellende. Und auch die Wurzel des hinduistischen Wortes Brahman, die letzte allumfassende Wirklichkeit, bezeichnet das, was wächst, atmet und schwillt. (Loy S.79)</p>
<h4>Die Mutter gehört ins Herz und nicht auf den Buckel.</h4>
<p>Nach soviel Freiheit und Selbstschöpfung kommt sicher die Frage: Was ist mit den Ordnungen? Muss man sich denen nicht fügen? Begrenzen die Ordnungen, die sog. natürlichen sozialen Gesetze, auf die unser Gewissen hinweist, wenn wir sie übertreten, nicht unsere Freiheit? &#8222;Du sollst Vater und Mutter ehren,&#8220; heißt es. Tu’ das, z.B. in dem du dich vor deiner Mutter verbeugst. Aber dann dreh dich um und sei frei. So erfüllt man das Gesetz und nicht, indem man sein Leben lang gebeugt stehen bleibt. Das nennt man Verstrickung, nicht Erfüllung; oder Geistesgestörtheit, oder einfach Dummheit. Die Mutter gehört ins Herz und nicht auf den Buckel. Das ist der ganz normaler Vorgang der Ablösung, den man manchmal in einer Aufstellung nachvollziehen muss, nicht weil das so schön ist, sondern zur Befreiung.</p>
<p>Oft bleibt man in Aufstellungsarbeiten viel zu lange nach hinten gewandt, wühlt detektivisch herum bis zu den Urgroßeltern und könnte sich doch längst umdrehen und die Toten ihre Toten begraben lassen. Man müsste es nur ausprobieren und spüren, ob es getan ist und sich gut und kräftigend anfühlt im Rücken. Es entstehen auch in der Aufstellungs-Tradition verschiedene Süchte. Es fällt ja auch niemandem ein, ständig an der linke Seite seines älteren Bruders herumzulaufen. Die Ordnungen und Gesetze gehören erfüllt und fertig. Sie sind für die Befreiung da und nicht umgekehrt.</p>
<p>Genauso ist es mit den anderen Gegebenheiten des Schicksals, deinem konkreten Körper, deinen psychischen und geistigen Grenzen, den positiven und negativen Gegebenheiten deiner Geschichte, dem sog. Karma. Erkenne sie an, stimme zu und wende dich den Möglichkeiten zu, die sich daraus ergeben. &#8222;Es gibt nur zwei Dinge zu tun, das Notwendige und das Unmögliche.“ Aber tue es.</p>
<p>Die Chance aller szenischen Arbeit, der Bühnenarbeit, der Aufstellungsarbeit, des Psychodramas, des therapeutischen Theaters ist, dass du was tun kannst. Und diese Chance ist vertan, wenn du diese Rolle nur mechanisch vorschriftsmäßig gespielt hast, d.h. nichts Neues ausprobiert hast. Zeig, dass du lebendig bist und dazugehörst. Freiheit und Hingabe gehören zusammen. Soviel zum Thema Ordnungen, Karma und Gewissen.[9] Spiritualität ist Befreiung, und Aufstellungsarbeit ist Befreiungs-Praxis, sonst lohnt es sich nicht.</p>
<h4>Therapie als Prozess des Überschreitens</h4>
<p>Wenn die Aufstellung ins Freisein vorstößt, gelangt sie an die Grenzen der Person und überschreitet sie, vom inneren Selbst bedingungslos unterstützt. Zu einer Aufstellungsarbeit, die sich lohnt, gehört also das Darüberhinaus, der Prozess des Überschreitens, das Sprengen einer Behausung, das Töten eines Buddhas. Dies geschieht nicht dadurch, dass wir bestimmte Instanzen wie das Selbst oder das Darüberhinaus oder ein freies Element oder die Negation des Tetralemmas aufstellen. Das alles ist hilfreich, aber vor allem kommt es darauf an, dass der Leiter in der Haltung der Negation bleibt, sich mitleid- und furchtlos verweigert und so den ihm Anvertrauten alles zumutet und alles zutraut.<br />
&#8222;Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies&#8220;, sagt Rilke, &#8222;einander lassen; denn dass wir uns halten, das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen“.</p>
<p>Ich habe meinen Vortrag so genannt, wie ich auch manche Aufstellungsseminare nenne: „Den Platz im Ganzen finden“. Zugehörigkeit, so nennt Hellinger das wichtigste Prinzip der Aufstellungsarbeit. Wir könnten auch Nichtgetrenntheit dafür sagen. Die zentraler Einsicht im Christentum und im Buddhismus ist, dass Getrenntheit von untergeordneter Wirklichkeit ist.</p>
<p>Wie gelangt man zu dieser Einsicht, wie gelangt man zum Vertrauen? Indem man seine Anhaftungen, Identifikationen und Verstrickungen als selbstgemacht und als Irrtümer durchschaut und sich von ihnen löst. Nichts anderes tun wir in der Aufstellungsarbeit. Schon von Anfang an. Allein indem wir das Zusammengehörige trennen, das Ganze in Teilen repräsentieren, tritt die ganze Spannung des Lebens in Erscheinung. Das sprengt selbstschöpferisch alle Fesseln, die sich eingeschlichen haben. Nicht erst die Repräsentation des Ausgeschlossenen ist der Coup der Aufstellungsarbeit, sondern schon die einfache Unterscheidung der Teile einer Ganzheit und das freie Spiel damit, als wäre die unsichtbare Zusammengehörigkeit das Selbstverständlichste und Verlässlichste von der Welt.</p>
<h4>Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.</h4>
<p>„Triff eine Unterscheidung&#8220;, „draw a distinction“( S.3), so lautet die erste Handlungsanweisung in Spencer-Brown’s Buch: „Laws of Form“, in dem er sich mit dem Zusammenhang von Leere und Form beschäftigt. Das Buch beginnt mit dem merkwürdigen und äußerst paradoxen Satz: „Distinction is perfekt continence“(S.1). Man kann diesen Satz übersetzen Unterscheidung ist vollzogener Zusammenhang, oder: Unterscheidung ist vollkommener Zusammenhang. Leere ist Form, Form ist Leere. Ich und Selbst sind unterschieden, aber nicht getrennt.</p>
<p>Ohne Unterscheidung, so Spencer-Brown, kann man auf nichts hinweisen. Die Ganzheit erfährt sich selbst im Spiel der Unterscheidungen. Meister Ekkehart: „Die Seele wirft ein Bild aus sich heraus, um sich darin zu erfahren.“ Das Selbst erfährt sich in seiner Verkörperung, dem Ich. In der materiellen Schöpfung wird sich Gott seiner selbst bewusst. Das ist Praxis der Unterscheidung. Etwas ganz anderes als der leiderzeugende Glaube an die Getrenntheit.</p>
<p>So wirkt Aufstellungsarbeit durch ihre autopoietische Tiefenstruktur nicht nur heilend, sondern auch bewusstseinserweiternd.</p>
<h4>Literatur:</h4>
<p>Essen, Siegfried (2001): Die Ordnungen und die Intuition. in: G.Weber (Hg.): Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen. Heidelberg 98-111<br />
Essen, Siegfried (2003a): Systemische Weltsicht und Bibliodrama. Schenefeld (EB-Verlag)<br />
Essen, Siegfried (2003b): Autopoietische Aufstellungsarbeit. In: Praxis der Systemaufstellung 2/2003 S.34-39<br />
Gronemeyer, Marianne (2002): Die Macht der Bedürfnisse, Überfluss und Knappheit. Darmstadt (Wiss. Buchges.)<br />
Loy, David (1988): Nondualität. Frankfurt/M. (Krüger)<br />
Sparrer, Insa (2001) Wunder, Lösung und System. Heidelberg (Carl-Auer-Systeme)<br />
Spencer-Brown, George (1969): Laws of Form. London (George Allen and Unwin LTD)</p>
<hr /><a name="1"></a> [1] Ein Vortrag, erschienen in: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1/2004, S. 66-77<br />
<a name="2"></a>[2] Die Bibel besteht fast nur aus ganz subjektiven Erzählungen von oder Handlungsanweisungen für die Begegnung mit der tiefsten Wirklichkeit. Darum herum ranken sich dann die Interpretationen. Die narrativen Theorien lehren uns, wie wichtig es ist, Erzählungen oder Handlungsanweisungen nicht mit Definitionen zu verwechseln.</p>
<p>[3<a name="3"></a>] Das „Aufstellen“ von Systemen, wie ich es betreibe, stammt vor allem aus der Skulpturarbeit Virginia Satirs, aus dem Familienstellen Bert Hellingers und aus der Theaterarbeit, speziell dem Bibliodrama. Ein Protagonist wählt aus einer Gruppe für Teile eines inneren Systems Rollenspieler aus und stellt sie intuitiv in den Raum und zueinander. Von da ab machen sie die Erfahrungen der betreffenden Systemteile und können sie zu Bewusstsein bringen. Dass systemische Aufstellungsarbeit wirkt ist unumstritten. Aber was die Wirkfaktoren sind, steht zur Diskussion: M.E. vor allem Verkörperung, Externalisierung und Repräsentation.</p>
<p>[4<a name="4"></a>] Ich kann das hier nur andeuten. Im Bibliodrama-Buch (Essen, S. 2003a) habe ich das Thema Authentizität und Spiel ausführlicher behandelt.</p>
<p>[5<a name="5"></a>] Eine andere Entscheidung gibt es nicht. Das klingt paradox aber die Alternative wäre ein weiterdriften in Ängste und Abhängigkeitsgefühle. Der Appell an die Freiheit ist eigentlich das Bewusstmachen dieser selbstzerstörerischen Bewegung, und sich ihrer bewusst werden heißt, sie beenden und umkehren.</p>
<p>[6<a name="6"></a>] Die Soziologin Marianne Gronemeyer hat in ihrem Buch: „Die Macht der Bedürfnisse“ das Knappheitsdenken als den grundsätzlichen Irrtum unserer Gesellschaft beschrieben.</p>
<p>[7<a name="7"></a>] Wenn der Leiter sich einmischt, schafft er der gerade sich entwickelnden lebendigen und sich ausweitenden Ganzheit eine Außengrenze, einen impliziten Kontext, macht sie zum Teil. Das können die Repräsentanten als autoritär d.h. das Einschränkung oder umgekehrt als Unterstützung ihrer selbstschöpferischen Tätigkeit nehmen.</p>
<p>[8<a name="8"></a>] In den verdeckten oder codierten Aufstellungen wird ernst genommen, was für alle Aufstellungen gilt: Die Namen der Rollen sind vorläufig, Codenamen für Energien in Bewegung, manchmal in redundanten Mustern gefangen, aber niemals per Definition zu fassen, aber mit Körper, Seele und Geist zu realisieren. Neuschöpfung.</p>
<p>[9<a name="9"></a>] Dazu ausführlicher: S. Essen: Die Ordnungen und die Intuition. (2001)<br />
Siegfried Essen´s Internetseite: <a href="http://www.siegfriedessen.com/" target="_blank">link</a></p>
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		<title>Jiddu Krishnamurti &#8222;Rede vom 18. November 1985&#8243;</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 10:57:29 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/krishnamurti.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-193" title="krishnamurti" src="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/krishnamurti.jpg?w=125&#038;h=150" alt="" width="125" height="150" /></a>&#8222;Ich frage mich, warum Sie alle hier sind. Warum haben wir uns alle hier versammelt, am Ufer des Ganges? Wenn jemand Ihnen ernstlich diese Frage stellte, was würden Sie antworten? Ist es nur, weil Sie diesen Mann früher schon einige Male reden hörten, deshalb sagen Sie, gehen wir hin und hören ihn an? Welche Beziehung hat das, was er sagt, zu dem, was Sie tun? Sind das zwei verschiedene Dinge? &#8211; Hören Sie sich nur das an, war er zu sagen hat, und kehren zurück zu Ihrem gewohnten Alltagsleben? Haben Sie unsere Frage verstanden?<br />
<span id="more-186"></span>Wir beide werden, wie zwei alte Freunde, die unter einem Baum sitzen, miteinander nicht über abstrakte, theoretische Probleme sprechen, sondern über unser tägliches Leben, was viel wichtiger ist. Wir haben so viele Probleme: Wie meditiert man, welchem Guru sollte man folgen &#8211; falls Sie einem folgen wollen -, welche Übungen sollte man machen, welcher täglichen Beschäftigung sollte man nachgehen, und so weiter. Und weiter, welche Beziehung haben wir zur Natur &#8211; zu all den Bäumen, Flüssen, Bergen, Ebenen und Tälern? Welche Beziehung haben wir zu einer Blume, zu einem Vogel, der vorüberfliegt? Und welche Beziehung haben wir zueinander &#8211; nicht zu dem Sprecher, sondern Sie zueinander -, zu Ihrer Frau, Ihrem Mann, Ihren Kindern, zur Umwelt, zu Ihrem Nachbarn, Ihrer Gemeinde, der Regierung und so weiter? Wie ist unsere Beziehung zu all dem? Oder sind wir nur jeder für sich, nur um uns selbst besorgt, zutiefst interessiert nur an unserem eigenen Leben?<br />
Wir stellen alle diese Fragen als wahre Freunde, nicht als ein Guru. Der Sprecher hat nicht die geringste Absicht, Sie zu beeindrucken, Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen, oder Ihnen zu helfen. Bitte, behalten Sie das während der ganzen Reden im Auge. Er hat nicht die <em>geringste </em>Absicht, Ihnen zu helfen. Ich werde Ihnen sagen, warum, den Grund, die Logik darin. Sie haben eine große Anzahl Gurus, Tausende, eine große Anzahl von Helfern &#8211; Christen, Hindus, Buddhisten, Führer aller Art -, nicht nur politische, sondern auch sogenannte religiöse. Sie haben bedeutende und unbedeutende Führer gehabt. Und wo stehen Sie am Ende dieser langen Evolution?<br />
Wir haben auf dieser Erde angeblich eine Million Jahre gelebt, und während dieser langen Evolution sind wir Barbaren geblieben. Wir mögen sauberer sein, schneller in der Kommunikation, bessere Hygiene, Beförderungsmittel und so weiter haben, doch moralisch, ethisch und &#8211; wenn ich das Wort gebrauchen darf &#8211; spirituell, sind wir noch immer Barbaren. Wir töten einander nicht nur im Krieg, sondern auch mit Worten, mit Gebärden. Wir sind sehr wettbewerbsorientiert. Wir sind sehr ehrgeizig. Jeder ist um sich selbst besorgt. Eigeninteresse ist der vorherrschende Zug in unserem Leben &#8211; die Sorge um unser eigenes Wohlbefinden, unsere eigene Sicherheit, unseren Besitz, Macht und so weiter. Sind wir etwa nicht um uns selbst besorgt &#8211; spirituell, religiös, im Erwerbsleben? Überall auf der Welt sind wir um uns selbst besorgt. Das bedeutet, dass wir uns vom Rest der Menschheit isolieren. Das ist eine Tatsache; wir übertreiben nicht. Wir sagen nicht etwas, das nicht wahr ist.<br />
Wohin man auch gehen mag &#8211; der Sprecher war überall auf der Welt und ist noch immer unterwegs -, was geschieht? Immer mehr Waffen, Gewalt, Fanatismus, und dieses große, tiefe Gefühl der Unsicherheit, der Ungewissheit und des Getrenntseins &#8211; in Sie und ich &#8211; ist ein gemeinsames Kennzeichen der Menschheit. Bitte wir sehen uns Tatsachen gegenüber, nicht Theorien, nicht irgendwelchen fernen theoretischen, philosophischen Behauptungen. Wir stellen Tatsachen fest. Nicht <em>meine</em> Tatsachen im Gegensatz zu <em>Ihren </em>Tatsachen, sondern Tatsachen. Jedes Land der Welt, wie Sie alle wissen müssen, häuft Waffen an &#8211; jedes Land, wie arm auch immer, wie reich auch immer. Nicht wahr? Sehen Sie sich Ihr eigenes Land an &#8211; die ungeheure Armut, Unordnung, Korruption. Sie alle wissen das, und das Anhäufen von Waffen. Früher war es ein Knüppel, mit dem man einen anderen tötete, heute kann man die Menschheit millionenweise mit einer Atombombe oder Neutronenbombe zerstäuben. Eine ungeheure Revolution ist im Gange, von der wir nur sehr wenig wissen. Die Technologie entwickelt sich so schnell, dass über Nacht schon etwas Neues da ist. Doch in ethischer Hinsicht sind wir, wie wir seit einer Million Jahre gewesen sind. Sehen Sie den Gegensatz? Im technologischen Bereich haben wir den Computer, der den Menschen im Denken übertreffen wird, der neue Meditationen erfinden kann, neue Götter, neue Theorien. Und der Mensch &#8211; das heißt Sie und ich -, was wird mit unserem Gehirn geschehen? Der Computer kann fast alles tun, was Menschen können, außer natürlich Sex haben und den neuen Mond betrachten. Das ist nicht irgendeine Theorie, es geschieht schon jetzt. Was also wir mit uns als Menschen geschehen?<br />
Wir wollen Unterhaltung. Wahrscheinlich gehört das zu Ihrer Vorstellung von Unterhaltung, hierherzukommen und hier zu sitzen und zuzuhören, zustimmend oder ablehnend, und dann nach Hause zu gehen, um wie bisher weiterzuleben; das gehört zur Unterhaltung, so wie in die Kirche gehen, in den Tempel, in die Moschee, oder wie Fußball oder Kricket in diesem Land. Bitte, dies ist keine Unterhaltung. Sie und ich, der Sprecher, müssen zusammen denken, nicht nur still dasitzen und irgendeine seltsame Atmosphäre, irgendwelches <em>Punya </em>in uns aufnehmen, tut mir leid, damit hat es überhaupt nichts zu tun.<br />
Wir wollen miteinander vernünftig, logisch denken, gemeinsam dieselbe Sache betrachten. Nicht wie <em>Sie </em>es betrachten und wie <em>ich </em>es betrachte, sondern gemeinsam unser tägliches Leben beobachten, was viel wichtiger ist als alles andere &#8211; es jede Minute unseres Tages beobachten. Also zuerst werden wir gemeinsam denken, nicht nur zuhören, zustimmen oder ablehnen, was sehr einfach ist. Wir bitten Sie dringend, Zustimmung oder Ablehnung beiseite zu lassen! Das ist sehr schwierig für die meisten Menschen, die allzu eifrig bereit sind, zuzustimmen oder abzulehnen. Unsere Reaktionen sind so schnell, wir ordnen alles ein &#8211; religiöser Mensch, areligiöser, weltlicher Mensch und so weiter. Wenn Sie also, zumindest an diesem Morgen, Zustimmung oder Ablehnung beiseite lassen und nur miteinander beobachten, miteinander denken könnten. Wollen Sie das tun? &#8211; Lassen Sie Ihre Meinung und meine Meinung völlig außer acht, Ihre Art zu denken und des anderen Art zu denken, und beobachten Sie nur gemeinsam, denken Sie gemeinsam.<br />
Zustimmung und Ablehnung trennen die Menschen voneinander. Es ist unlogisch, zu sagen: &#8222;Ja, ich stimme Ihnen zu&#8220; oder: &#8222;Ich stimme Ihnen nicht zu&#8220;, denn entweder projizieren Sie, halten an Ihrer Meinung, Ihrem Urteil, Ihrer Wertung fest, oder Sie verwerfen das Gesagte. Könnten wir also an diesem Morgen, nur zum Spaß, zur Unterhaltung, wenn Sie wollen, unsere Meinungen, unsere Urteile, unsere Zustimmungen oder Ablehnungen vergessen und einen guten, klaren Kopf haben &#8211; nicht fromm, emotional oder romantisch, sondern ein Gehirn, das sich nicht auf all die Komplikationen von Theorie, Meinung, Zustimmung oder Ablehnung einlässt? Können wir das tun?<br />
Lassen Sie uns also fortfahren! Was ist Denken? Jeder Mensch auf der Welt, jeder, vom Unwissendsten, vom Primitivsten, von der ganz, ganz unbedeutenden Person in einem kleinen Dorf bis zum hochgebildeten Wissenschaftler, sie alle haben etwas gemeinsam &#8211; das Denken. Wir alle denken &#8211; der Dorfbewohner, der noch nie etwas gelesen hat, nie zur Schule, aufs College oder auf die Universität gegangen ist, und die meisten von Ihnen hier, die eine Schulbildung hatten. Der Mann, der allein im Himalaya sitzt, auch er denkt. Und dieses Denken hat von allem Anfang stattgefunden. So müssen Sie zunächst die Frage stellen: Was ist Denken? Was ist es, worüber Sie nachdenken? Wollen Sie diese Frage zuerst beantworten &#8211; nicht aus Büchern, nicht aus der Gita oder den Upanischaden oder der Bibel oder dem Koran.<br />
Was ist Denken? Wir leben vom Denken. Unser tägliches Handeln basiert auf Denken. Sie mögen auf diese Weise denken, ein anderer denkt auf eine andere Weise, aber es ist immer noch Denken. Was ist es also? Können Sie denken, wenn Sie kein Gedächtnis haben? Können Sie rückwärts oder vorwärts denken &#8211; was werden Sie morgen tun oder in einer Stunde oder was haben Sie gestern getan oder heute morgen? Das, was in der technologischen Welt des Computers &#8222;Architektur&#8220; genannt wird. Also müssen wir gemeinsam herausfinden, nicht was die indische Art zu denken oder was die europäische Art zu denken ist, oder die besondere Denkweise des Buddhisten, des Hindu, des Moslem, des Christen oder irgendeiner anderen Sekte, sondern was Denken ist. Solange wir nicht wirklich den Prozess des Denkens verstehen, wird unser Leben immer sehr, sehr begrenzt sein. Also müssen wir sehr eingehend, ernsthaft diesen ganzen Prozess des Denkens untersuchen, der unser Leben gestaltet. Der Mensch hat Gott durch sein Denken geschaffen; Gott hat nicht den Menschen geschaffen. Das muss ein sehr armseliger Gottsein, der diese Menschen geschaffen hat, die einander unaufhörlich bekämpfen. Also, was ist Denken, und warum haben wir Probleme daraus gemacht?</p>
<p>Warum haben wir Probleme in unserem Leben? Wir haben eine Menge &#8211; politische Probleme, finanzielle Probleme, ökonomische Probleme, die Probleme einer Religion gegen die andere, Tausende von Problemen. Was ist ein Problem, was ist die Bedeutung des Wortes Problem? Dem Wörterbuch nach bedeutet es etwas, das einem zugeworfen wird, eine Herausforderung, etwas, das man ansehen, dem man sich stellen muss. Man kann ihm nicht ausweichen, man kann ihm nicht davonlaufen, man kann es nicht unterdrücken; es ist da, wie ein schmerzhafter Daumen. Wie kommt es, dass wir unser ganzes Leben lang, vom Augenblick, in dem wir geboren werden, bis wir sterben, Probleme haben &#8211; mit dem Tod, mit der Angst, mit hunderterlei Dingen? Stellen Sie diese Frage oder stelle ich sie für Sie? Man geht zur Schule &#8211; dort muss man lesen, schreiben, und das wird zum Problem für das Kind. Etwas später muss es Mathematik lernen, und das wird zum Problem. Und die Mutter sagt: &#8222;Tu dies, und tu das nicht&#8220;, und das wird zum Problem. So werden wir von Kindheit an mit Problemen erzogen, unser Gehirn ist mit Problemen konditioniert; es ist niemals frei von Problemen. Wenn Sie heranwachsen, in die Jugendjahre kommen, Sex haben, lernen, Geld zu verdienen, ob Sie sich der Gesellschaft anpassen oder nicht, rebellieren oder nicht &#8211; all das wird zum Problem. Und am Ende fügen Sie sich in die Gesellschaft, in die Umwelt ein. Jeder Politiker der Welt löst das eine Problem und ruft damit andere Probleme hervor. Haben Sie das nicht festgestellt? Das menschliche Gehirn selbst &#8211; das, was innerhalb des Schädels ist &#8211; hat auch Probleme. Kann also das Gehirn jemals frei von Problemen sein, um Probleme zu lösen? Verstehen Sie meine Frage? Wenn das Gehirn nicht frei von Problemen ist, wie kann es irgendein Problem lösen? Das ist logisch. Nicht wahr? Also ist Ihr Gehirn, das Erinnerungen in sich trägt, das ein ungeheures anwendbares Wissen erworben hat, dazu erzogen, ausgebildet worden, Probleme zu haben. Wir fragen nun, ob das Gehirn zuerst frei von Problemen sein kann, so dass es dann Probleme lösen kann? Oder ist das unmöglich? Unser Gehirn ist durch die verschiedenen engen Religionen konditioniert worden; es ist durch Spezialisierung konditioniert worden, durch die Umwelt, in der wir leben, durch unsere Erziehung, durch Armut oder Reichtum, durch die Gelübde, die Sie als Mönch abgelegt haben. (Ich weiß nicht warum, aber Sie haben sie abgelegt, und das wird zur Folter, zum Problem): Deshalb sind unsere Gehirne außerordentlich konditioniert, als Geschäftsmann, als Hausfrau und so weiter. Und aus dieser engen Perspektive betrachten wir die Welt.<br />
Deshalb müssen wir uns nicht nur mit der Frage unserer Probleme befassen, sondern auch damit, was Denken ist. Warum denken wir überhaupt? Gibt es eine andere Art zu handeln? Gibt es eine andere Art und Weise, an das Leben, das tägliche Leben heranzugehen, die überhaupt kein Denken erfordert? Zunächst müssen wir ganz genau hinschauen, gemeinsam; wir müssen es für uns selbst herausfinden und dann handeln. Also wollen wir darauf eingehen. Was ist Denken? Wenn Sie nicht denken würden, wären Sie nicht hier. Sie haben Vorkehrungen getroffen, zu einer bestimmten Zeit hierherzukommen, und Sie haben auch Vorkehrungen getroffen, um zurückzukehren. Das ist Denken. Was ist phiosophischen Denken? Philosophie heißt Liebe zur Wahrheit, Liebe zum Leben &#8211; nicht, ein Examen an der Universität zu bestehen. Also lassen Sie uns gemeinsam entdecken, was Denken ist. Wenn Sie keine Erinnerung an gestern hätten, keine Erinnerung irgendwelcher Art, würden Sie denken? Natürlich nicht &#8211; Sie können nicht denken, wenn Sie keine Erinnerung haben, nicht wahr? Was also ist Erinnerung? Sie haben gestern etwas getan, und das wurde im Gehirn registriert, und aufgrund dieser Erinnerung denken und handeln Sie. Sie erinnern sich, dass jemand Ihnen geschmeichelt hat, dass jemand Sie verletzt hat, Hässliches über sie gesagt hat. Das heißt, Erinnerung ist das Ergebnis von Wissen. Und was ist Wissen? Das ist ziemlich schwierig.<br />
Wir alle sammeln Wissen an; die großen Gelehrten, die großen Professoren, Wissenschaftler erwerben ungeheures Wissen. Also was ist Wissen? Wie kommt es zustande? Wissen entsteht durch Erfahrung. Sie haben einen Autounfall &#8211; daraus wird eine Erfahrung. Aus dieser Erfahrung erhalten Sie Wissen. Und aus diesem Wissen kommt Erinnerung. Aus dieser Erinnerung kommt das Denken. Richtig? Was also ist Erfahrung? Es ist ein Ereignis, der Autounfall, der im Gehirn als Wissen registriert wurde. Erfahrung, Wissen, Erinnerung, Denken: Das ist logisch &#8211; nicht meine Betrachtungsweise oder Ihre Betrachtungsweise.<br />
Also ist alle Erfahrung, sei es Gottes Erfahrung oder Ihre Erfahrung, begrenzt. Die Wissenschaftler fügen ihr Tag für Tag etwas hinzu, und etwas, dem etwas hinzugefügt wird, ist immer begrenzt, nicht wahr? Ich weiß wenig, und ich muss mehr wissen &#8211; Sie fügen etwas hinzu. Ihre Erfahrung von etwas ist immer begrenzt, da etwas mehr hinzugefügt werden kann. Somit ist Erfahrung begrenzt, Wissen ist begrenzt, für immer. Also ist Erinnerung begrenzt, und daher ist das Denken begrenzt, nicht wahr? Und wo Begrenztheit ist, da ist Trennung &#8211; der Sikh, der Hindu, der Buddhist, der Moslem, der Christ, der demokrat, der Republikaner, der Kommunist. Ihre Basis ist das Denken, und daher sind alle Regierungen begrenzt, ihre ganze Aktivität ist begrenzt. Ob Sie nun vollkommen abstrakt denken oder ob Sie versuchen, sehr edel zu sein, es ist immer noch Denken, nicht wahr? Also sind, aufgrund dieser begrenzten Natur des Denkens, weil Denken immer begrenzt ist, unsere Handlungen begrenzt. An diesem Punkt nun beginnen Sie ernstlich zu fragen: Kann Denken seinen berechtigten Platz haben und sonst keinen anderen? Verstehen Sie meine Frage? Gibt es also ein Handeln, das frei von Begrenztheit ist? Das heißt, da das Denken begrenzt ist, haben wir das ganze Weltall auf eine sehr kleine Angelegenheit reduziert. Wir haben unser Leben zu einer so kleinen Angelegenheit gemacht wie das Denken &#8211; ich muss dies sein, ich darf nicht jenes sein, ich muss Macht haben. Verstehen Sie? Wir haben die Unermesslichkeit des Lebens auf eine sehr kleine, belanglose Angelegenheit reduziert.<br />
Ist es also möglich, von Denken frei zu sein? Das heißt, ich muss denken, um hierherzukommen; wenn ich ein Bürokrat bin, muss ich bürokratisch denken; wenn ich in die Fabrik gehe und Schrauben drehe, muss ich gewisse Kenntnisse haben. Warum soll ich Wissen über mich selbst haben? &#8211; Das höhere Selbst, das niedere Selbst und all das? Warum sollte ich das alles wissen? Das ist sehr einfach &#8211; es ist Eigeninteresse; ich bin tatsächlich nur an mir selbst interessiert. Wir mögen so tun, als ob es Brüderlichkeit gäbe, wir mögen über Frieden sprechen, mit Worten spielen, doch wir sind immer egozentrisch. Und von daher stellt sich die Frage: Kann es mit dieser Egozentrik, die im wesentlichen tiefe Sehnsucht ist, überhaupt eine Veränderung geben? Können wir vollkommen selbstlos sein? Und so müssen wir fragen: Was ist das Selbst?<br />
Was sind Sie, abgesehen von Ihrem Namen und Ihrem Beruf, Ihrem Gelübde, einem Guru zu folgen? Was sind Sie? Oder ich will anders fragen &#8211; sind Sie Ihr Name, sind Sie Ihr Beruf, sind Sie ein Teil der Gemeinschaft, ein Teil der Tradition? Wiederholen Sie nicht, was die Gita sagt, was die Upanischaden sagen oder irgend jemand sagt: Das ist sinnlos. Was sind Sie <em>wirklich</em>? Ist dies das erste Mal, dass man Ihnen diese Frage gestellt hat &#8211; was sind Sie? Sind Sie nicht Ihre Angst, sind Sie nicht Ihr Name, sind Sie nicht Ihr Körper? Sind Sie nicht das, was Sie denken, das Bild, das Sie sich von sich selbst gemacht haben? Sind Sie nicht das alles? Sind Sie nicht Ihr Zorn? Oder ist der Zorn von Ihnen getrennt? Kommen Sie doch, Sirs, sind Sie nicht Ihre Ängste, Ihre Ambitionen, Ihre Habgier, Ihr Wetteifer, Ihre Unsicherheit, Ihre Verwirrung, Ihr Schmerz, Ihr Kummer &#8211; sind Sie nicht all das? Sind Sie nicht der Guru, dem Sie folgen? Wenn Sie sich also mit all dem identifizieren, sind Sie nicht selbst das alles? Oder sind Sie etwas Höheres &#8211; Superselbst, Superbewusstsein? Wenn Sie sagen, Sie haben ein Superbewusstsein, ein höheres Selbst, dann ist auch das ein Teil des Denkens, daher ist auch das, was Sie höheres Denken, höheres Selbst nennen, sehr klein.<br />
Was also sind Sie? Ich sage, Sie sind ein Bündel von allem, was vom Denken zusammengesetzt worden ist. Was Sie auch immer denken, Sie sind es selbst. Sie mögen alles mögliche Zeug erfinden, aber auch diese Erfindung ist das, was Sie selbst sind. Nicht wahr? Das alles zusammen nennt man Ich, ich selbst, mein Ego, meine Persönlichkeit,  mein höheres Selbst, mein Gott. Und ich erfinde das ganze Zeug. Wer hat das alles zusammengesetzt? Oder gibt es nur eine einzige Struktur? Wer hat das alles getrennt? Wer hat gesagt, ich bin ein Hindu oder ich bin ein Moslem? Ist das nur Propaganda? Wer hat die Trennung zwischen den Ländern verursacht? Das Denken? Oder ist es das Verlangen, das Bedürfnis, sich zu identifizieren, sicher zu sein?<br />
Ich frage Sie mit allem Respekt, wer hat diese Trennung geschaffen? Ist es das Denken? Natürlich, doch hinter dem Denken ist noch etwas anderes. Wer tut das alles, abgesehen vom Denken? Was ist das Verlangen, was ist das Drängen, was ist die Bewegung dahinter? Ist es nicht Sicherheit? Ich will sicher sein; deshalb folge ich einem Guru. Ich will sicher sein in meiner Beziehung zu Ihnen, zu meiner Frau &#8211; sie ist <em>meine </em>Frau -, sicher, geschützt, geborgen. Das Verlangen, das Drängen, die Antwort, die Reaktion, sind um der Sicherheit willen &#8211; ich muss sicher, geborgen sein.<br />
Wir alle wollen Sicherheit, doch wir fragen niemals: Gibt es überhaupt Sicherheit? Gibt es irgendeinen Ort, an dem ich sagen kann, ich bin sicher? Sie misstrauen Ihrer Frau, Ihre Frau misstraut Ihnen. Sie misstrauen Ihrem Chef, denn Sie wollen seine Stelle. Das ist alles gesunder Menschenverstand. Sie mögen jetzt darüber lachen, aber jeder Mensch auf der Welt möchte einen Ort haben, wo er sicher, geborgen sein kann, wo es keinen Wettbewerb gibt, wo er nicht herumgestoßen wird, wo er nicht belästigt wird. Wollen Sie das nicht alle? Aber Sie fragen niemals: Gibt es überhaupt Sicherheit? Wenn Sie Sicherheit wollen, müssen Sie auch die Frage stellen: Gibt es überhaupt Sicherheit?<br />
Dann kommt die Frage: Warum wollen Sie Sicherheit? Gibt es Sicherheit in Ihrem Denken? Gibt es Sicherheit in Ihren Beziehungen &#8211; zu Ihrer Frau und Ihren Kindern? Gibt es Sicherheit in Ihrer Arbeit? Sie sind vielleicht ein Professor, in gesicherter Stellung, aber es gibt höhergestellte Professoren; also wollen Sie Vizepräsident werden. Wo ist also Sicherheit? Vielleicht gibt es überhaupt keine Sicherheit. Denken Sie einmal darüber nach, Sir, sehen Sie das Wunderbare daran &#8211; kein Verlangen nach Sicherheit zu haben, keinen Drang danach, kein Gefühl irgendwelcher Art für Sicherheit zu haben. In Ihren Wohnungen, in Ihren Büros, in Ihren Fabriken, in Ihren Parlamanten und so weiter, gibt es dort Sicherheit? Das Leben mag keine Sicherheit bieten; das Leben ist dazu da, um gelebt zu werden, nicht um Probleme zu schaffen und dann zu versuchen, sie zu lösen. Es ist dazu da, gelebt zu werden, und es wird sterben. Das ist eine unserer Ängste &#8211; zu sterben, nicht wahr?<br />
Haben wir also an diesem Morgen voneinander gelernt &#8211; nicht einander geholfen -, haben wir gelernt, haben wir überhaupt gehört, was der Sprecher sagt? Haben Sie gehört, mit den Ohren, die Tatsachen der Welt gesehen, die Sie selber sind &#8211; denn Sie sind die Welt? Oder sind das alles Ideen? Es ist ein Unterschied zwischen Tatsache und Idee: Die Idee ist niemals die Tatsache. Das <em>Wort </em>&#8222;Mikrophon&#8220;  ist nicht <em>das </em>Mikrophon, dieses Ding vor dem Sprecher. Aber wir haben das Wort zur Sache gemacht. Also ist der Hindu nicht Sie &#8211; das <em>Wort </em>sind nicht Sie. Sie sind die <em>Tatsache</em>, nicht das Wort. Also können wir das Wort sehen und sehen, dass das Wort nicht die Sache ist? Das Wort &#8222;Gott&#8220; ist nicht Gott. Das Wort ist anders, völlig anders als die Wirklichkeit.<br />
Also fragen wir mit allem Respekt: Was haben Sie heute morgen gelernt, <em>tatsächlich </em>gelernt, so dass Sie handeln werden, nicht sagen, ja, ja, ganz richtig, und heimgehen und so weitermachen wie bisher. Die Welt ist in großem Chaos. Ich weiß nicht, ob Ihnen das klar ist: In der Welt herrscht großes Leiden, großes Elend. Sie sind verwirrt, deshalb verursachen Sie das alles in der Welt um Sie herum. Wenn Sie sich nicht ändern, kann die Welt sich nicht ändern, verwandeln. Denn in der Welt, wohin Sie auch immer gehen, erfährt jeder Mensch an sich dasselbe Phänomen, das Sie durchmachen &#8211; zweifelnd, unglücklich, ängstlich, unsicher, sehnt sich nach Sicherheit, versucht zu kontrollieren, asgt, Ihr Guru ist besser als mein Guru und so weiter. Verstehen Sie, Sir?<br />
Der Sprecher ist weder Optimist noch Pessimist. Wir stellen Ihnen Tatsachen dar, keine Zeitungsmeldung. Wir sprechen miteinander über <em>Ihr </em>Leben, nicht über das Leben eines Guru oder eines Kaisers oder über irgendjemand Beliebigen: Wir sprechen miteinander über Ihr Leben. Ihr Leben ist wie das der übrigen Welt. Die Menschen sind furchtbar unglücklich, unsicher, elend, zu Millionen arbeitslos, in Armut, Hunger, Leid, Schmerz, genau wie Sie selbst; Sie unterscheiden sich nicht von ihnen. Sie mögen sich Hindu oder Moslem oder Christ nennen oder was Sie wollen, doch in Ihrem Bewusstsein, innerlich, sind Sie genauso wie der Rest der Welt. Sie mögen dunkelbraun, Sie mögen hellbraun sein, eine andere Regierung haben, doch jeder Mensch hat teil an dieser schrecklichen Welt. <em>Wir </em>haben diese Welt gemacht &#8211; verstehen Sie? <em>Wir </em>sind die Gesellschaft. Wenn Sie wollen, dass die Gesellschaft anders wird, müssen <em>Sie </em>anfangen, <em>Sie </em>müssen Ordnung in Ihrem Haus schaffen, Ihrem Haus, das Sie selber sind.</p>
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		<title>John G. Bennett &#8222;Die Meister der Weisheit&#8220;</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 16:38:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu verschiedensten Zeiten und an den verschiedensten Orten hat es eine verborgene Gruppe von Menschen mit hoher Intelligenz und Weisheit gegeben, die dem Schicksal der Menschheit in großen Krisen eine neue Wende gab. Ihre Aktionen werden in diesem Werk auf faszinierende Art und Weise beschrieben und durch historische Tatsachen belegt. Ihre Lehren und Methoden werden [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=182&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/bennet.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-183" title="bennet" src="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/bennet.jpg?w=150&#038;h=150" alt="" width="150" height="150" /></a>Zu verschiedensten Zeiten und an den verschiedensten Orten hat es eine verborgene Gruppe von Menschen mit hoher Intelligenz und Weisheit gegeben, die dem Schicksal der Menschheit in großen Krisen eine neue Wende gab. Ihre Aktionen werden in diesem Werk auf faszinierende Art und Weise beschrieben und durch historische Tatsachen belegt. Ihre Lehren und Methoden werden anhand der &#8222;Meister der Weisheit&#8220;, die zur Zeit Dschingis Khans in Turkestan arbeiteten, mit hoher Einsicht und wertvollen Informationen für jede Sucherin und jeden Sucher vermittelt. Ihre Wirkungen sind heute wieder in der Renaissance der spirituellen Wege der Welt zu spüren. Das einzige Buch, das die Lebensgeschichten und Lehrmethoden der großen Sufi-Meister &#8222;des Augenblicks&#8220; wie Baha ud-din Naqsband, Abdulhalik Gudschduwani, Hadschi Bektasch, Ubaidullah Ahrar, Ala ad-din Attar u.a. erzählt.</p>
<br />Veröffentlicht in Lesenswertes Tagged: Bennett, Meister der Weisheit, Weisheit <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/182/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/182/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=182&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Jiddu Krishnamurti &#8211; Rede &#8211; Deutsch Public 1</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 16:56:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sehenswertes]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Jiddu Krishnamurti]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wird immer klarer, dass nicht Umweltprobleme, Hungertod und Armut oder die allgemeine Ungerechtigkeit das eigentliche Anliegen sind, sondern die Tatsache, dass die Menschen selber mehr und mehr zum Terror dieser Welt werden. Es sind Menschen, die einander zerstören. Sie spalten sich durch zerstörerische trennende Vorgänge in Klassen und Nationalitäten. Wir sind zu einer gegenseitigen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=174&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/jidduvideo.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-204" title="jidduvideo" src="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/jidduvideo.jpg?w=150&#038;h=123" alt="" width="150" height="123" /></a>Es wird immer klarer, dass nicht Umweltprobleme, Hungertod und Armut oder die allgemeine Ungerechtigkeit das eigentliche Anliegen sind, sondern die Tatsache, dass die Menschen selber mehr und mehr zum Terror dieser Welt werden. Es sind Menschen, die einander zerstören. Sie spalten sich durch zerstörerische trennende Vorgänge in Klassen und Nationalitäten. Wir sind zu einer gegenseitigen Gefahr geworden; denn uns trennen die organisierten Religionen, die Glaubensbekenntnisse und Dogmen mit ihren Ritualen, dieser ganze Unsinn. Kriege, Kriegsvorbereitungen und Atombomben Sie alle kennen den Schrecken dieser Welt. Warum sind wir nach Jahrmillionen der Evolution, in denen wir enormes Wissen und Erfahrung gesammelt haben, immer noch dieselben? Warum leiden wir immer noch, hassen einander immer noch, leben in persönlichen Illusionen? Warum sind wir stammesgebunden, setzen uns für Nationalitäten ein? Wo liegt die Ursache hierfür?</p>
<p>Video anschauen <a href="http://video.google.com/videoplay?docid=-7698022765687563175#" target="_blank">&gt;link</a></p>
<br />Veröffentlicht in Sehenswertes Tagged: Freiheit, Glück, Jiddu Krishnamurti <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/174/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/174/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=174&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kahlil Gibran &#8222;Von der Liebe&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 14:09:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berührendes]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Von der Liebe Da sagte Almitra: Sprich uns von der Liebe. Und er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und es kam eine Stille über sie Und mit lauter Stimme sagte er: Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil. Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=171&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von       der Liebe</strong></p>
<p>Da       sagte Almitra: Sprich uns von der Liebe.<br />
Und       er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und es kam eine Stille über sie       Und mit lauter Stimme sagte er:</p>
<p>Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.<br />
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,<br />
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.<br />
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,<br />
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann<br />
wie der Nordwind den Garten verwüstetet.<br />
Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.<br />
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.<br />
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen<br />
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,<br />
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln<br />
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.<br />
Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.<br />
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.<br />
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.<br />
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.<br />
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;<br />
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,<br />
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.<br />
All dies wird die Liebe mit dir machen,<br />
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst<br />
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.<br />
Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,<br />
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken<br />
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.<br />
In die Welt ohne Jahreszeiten,<br />
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,<br />
und weinen, aber nicht all deine Tränen.<br />
Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.<br />
Liebe besitzt nicht, noch lässt sie sich besitzen;<br />
Denn die Liebe genügt der Liebe.<br />
Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,<br />
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.<br />
Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.<br />
Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt, sollst du dir dies wünschen:<br />
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein,<br />
der seine Melodie der Nacht singt.<br />
Den Schmerz allzu vieler Zärtlichkeit zu kennen.<br />
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;<br />
Und willig und freudig zu bluten.<br />
Bei der Morgenröte<br />
mit beflügeltem Herzen zu erwachen<br />
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;<br />
Zur Mittagszeit zu ruhen<br />
und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;<br />
Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;<br />
Und dann einzuschlafen<br />
mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen<br />
und einem Lobgesang auf den Lippen</p>
<br />Veröffentlicht in Berührendes Tagged: Liebe <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/171/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/171/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=171&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Khalil Gibran &#8222;Der Prophet&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 12:49:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesenswertes]]></category>
		<category><![CDATA[Khalil Gibran]]></category>

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		<description><![CDATA[Khalil Gibran war Maler, Schriftsteller, Mystiker, Rebell und gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, die sich der Tradition der philosophia perennis verpflichtet sahen. Sein berühmtestes Werk Der Prophet verkündet eine Botschaft von zeitloser Wahrheit in einer metaphorischen Sprache, die natürliche Schönheit und geistige Tiefe in einzigartiger Weise verbindet. Der Prophet ist eine [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=166&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/gibran_01.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-167" title="gibran_01" src="http://jenseitsvonego.files.wordpress.com/2010/01/gibran_01.jpg?w=102&#038;h=150" alt="" width="102" height="150" /></a>Khalil Gibran war Maler, Schriftsteller, Mystiker, Rebell und gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, die sich der Tradition der <em>philosophia perennis</em> verpflichtet sahen. Sein berühmtestes Werk <em>Der Prophet</em> verkündet eine Botschaft von zeitloser Wahrheit in einer metaphorischen Sprache, die natürliche Schönheit und geistige Tiefe in einzigartiger Weise verbindet.</p>
<p><em>Der Prophet</em> ist eine Sammlung von Lebensweisheiten mit <em>einem</em> gemeinsamen Nenner: Alle Metaphern treffen mitten ins Herz! Über welches Thema der Prophet auch spricht, immer hat man das Gefühl, dass seine Worte aus der Tiefe des Herzens kommen und dass es die reine Liebe selbst ist, die seine Lippen sanft bewegt wie die zarten Fingerkuppen eines Engels beim Streicheln der himmlischen Harfe.</p>
<p>Nachdem Khalil als Elfjähriger beim Besteigen eines Berges in die Tiefe gefallen war, trug er eine schwere Schulterverletzung davon, sodass er vierzig Tage lang in eine Schiene eingebunden war. Während dieser Zeit soll ihm der Gekreuzigte mehrfach in Träumen erschienen sein, was zu einer starken Identifikation mit Jesus führte, die besonders in seinem Spätwerk <em>Jesus Menschensohn</em> zum Ausdruck kommt. Anders als das Christentum sieht er jedoch in Jesus vor allem den Rebellen, der den Menschen ihren Materialismus ungeschminkt spiegelte, und den Liebenden, der in ihren Herzen das Licht einer Welt erblickte, die unvergänglich ist.</p>
<p>Als tief spiritueller Mensch stand Khalil Gibran den institutionalisierten Religionen ablehnend gegenüber. In <a href="http://www.zitate-aphorismen.de/zitate/interpretation/Khalil_Gibran/2811" target="_blank"><em>Der Prophet</em></a> sagt er: «Euer tägliches Leben ist euer Tempel und eure Religion.» Dieser Satz könnte ebenso von einem alten chinesischen Taoisten oder Zen-Meister stammen wie von einem christlichen Mystiker des Mittelalters oder dem radikalsten Kritiker des organisierten Glaubens unserer heutigen Zeit, Jiddu Krishnamurti.</p>
<p><span id="more-166"></span>In seiner Pariser Zeit setzte Khalil Gibran sich ausführlich mit Nietzsche auseinander, dessen Einfluss sich besonders  in <em>Die Stürme</em> und <em>Der Totengräber</em> zeigt. Auch den Begriff des <em>größeren Ich</em> dürfte Gibran Nietzsches <em>Übermenschen</em> entlehnt haben. In einem Nachwort zu den Sämtlichen Werken bemerken die Autoren Ursula und Yussuf  Assaf dazu:<br />
«Doch Gibran versteht darunter etwas anderes. Sind es für Nietzsche Wille, Tat und Macht, die den Übermenschen ausmachen, so meint Gibran damit den transzendierenden Menschen, der zu seiner göttlichen Bestimmung findet, der sein &#8222;im Himmel geschriebenes Ich&#8220; verwirklicht, der vollkommen wird und sich auflöst in der universellen Einheit Gottes.<br />
Zu seinem &#8222;größeren Ich&#8220; gelangt der Mensch, indem er still wird und seiner Seele lauscht, diesem göttlichen und ewigen Funken in ihm. Es gilt, die Seele vom Gewicht der Materie zu befreien. Die vollkommene Befreiung der Seele aus dem Gefängnis des Körpers vollzieht sich beim Tod. Für Gibran ist der Tod kein Ende sondern ein Neubeginn, und das Grab ist eine Wiege.»</p>
<p>Was die herz-, geist- und seelenöffnende Bildhaftigkeit seiner Poesie und die natürliche Mystik in seinen Gemälden anbetrifft, zeigt sich eine geistige Verwandtschaft Gibrans zu dem englischen Mystiker William Blake.</p>
<br />Veröffentlicht in Lesenswertes Tagged: Khalil Gibran <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/166/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/166/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=166&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Hans Küng »Erfolg rechtfertigt gar nichts«</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 16:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fairness]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltethos]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Theologe Hans Küng über Lug und Trug in Management und Politik, den Geist der Fairness und seine Forderung nach einem globalen Ethos Von Anna Marohn &#124; Christian Tenbrock Datum 4.1.2010 - 11:13 Uhr © Sascha Schürmann/ddp Setzt sich für ethische Standards in der Wirtschaft ein: Der Theologe Hans Küng, aufgenommen im vergangenen Juni in [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=157&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Theologe Hans Küng über Lug und Trug in Management und Politik, den Geist der Fairness und seine Forderung nach einem globalen Ethos</p>
<ul>
<li> <strong>Von</strong> Anna Marohn | <a title="Profil von * Christian Tenbrock* anzeigen" href="http://community.zeit.de/user/christian-tenbrock"> Christian Tenbrock</a></li>
<li> <strong>Datum</strong> 4.1.2010 				- 11:13 Uhr</li>
</ul>
<p><!--[ byline ]--></p>
<div>
<p>© Sascha Schürmann/ddp</p>
<p><img title="Setzt sich für ethische Standards in der Wirtschaft ein: Der Theologe Hans Küng, aufgenommen im vergangenen Juni in Tübingen" src="http://images.zeit.de/wirtschaft/2009-12/hans-kueng/hans-kueng-540x304.jpg" alt="Setzt sich für ethische Standards in der Wirtschaft ein: Der Theologe Hans Küng, aufgenommen im vergangenen Juni in Tübingen" width="540" />Setzt sich für ethische Standards in der Wirtschaft ein: Der Theologe Hans Küng, aufgenommen im vergangenen Juni in Tübingen</p>
</div>
<p><strong>DIE ZEIT:</strong> Herr Professor Küng, die Weltwirtschaft hat eines der schlimmsten Jahre der Wirtschaftsgeschichte hinter sich. Sie fordern jetzt ein »globales Wirtschaftsethos«, also weltumspannende, gemeinsame Grundregeln, an die sich die Wirtschaftsakteure künftig halten sollen. Ist das Ihre Antwort auf die Krise?</p>
<p><strong>Hans Küng:</strong> Nein. Die Idee zu dem Manifest ist schon älter. Es gibt kulturübergreifende Normen, die überall gelten aufgrund der religiösen und ethischen Traditionen in den verschiedenen Weltgegenden. Mir war immer daran gelegen, diese in die Sprache der Wirtschaft zu übersetzen. Das Manifest ist ausgearbeitet worden, als wir noch nicht wussten, dass diese vorläufig letzte Krise kommt – aber im Bewusstsein, dass die Weltwirtschaft nicht nach den sicheren Regeln funktioniert, an die leider viele Ökonomen und Politiker geglaubt haben.</p>
<p><strong><span id="more-157"></span>ZEIT:</strong> Sie haben die Krise vorausgesehen?</p>
<p><strong>Küng:</strong> All jene, die heute vorgeben, dass niemand mit dieser Krise rechnen konnte, reden Unfug. Vor einigen Jahren warnte der damalige Chef der amerikanischen Notenbank vor dem irrationalen Überschwang an der Börse. Was passierte? Rund um die Welt stürzten die Aktienkurse in den Keller. Schon damit musste jedem Menschen klar sein, dass die Chaostheorie auch auf die Ökonomie anwendbar ist. Dass es also folglich nicht stimmt, dass der Markt allein nach rationalen Regeln funktioniert. Dass wir also damit rechnen müssen, dass es einen Crash geben kann. Aber nein, viele sagten, das geschehe nicht mehr, wir könnten alles berechnen und wüssten genau, wie wir reagieren müssen. Sie haben sich geirrt.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Aber warum benötigt man ein ethisches Gerüst für die Wirtschaft, um Krisen zu verhindern?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Weil es drei Dinge braucht, damit eine Wirtschaft funktioniert: einen funktionierenden Markt, funktionierende Institutionen – und eben die Moral. In der Krise hat man gesehen, dass dann, wenn die Moral fehlt, auch die beiden anderen Faktoren angefressen werden. Die Moralität ist in der Wirtschaft nicht das Sahnehäubchen. Eine moralisch-ethische Rahmenordnung muss sowohl die wirtschaftliche wie auch die politische und staatliche Ordnung stützen. Und ihnen Impulse geben.</p>
<div id="infobox_1">
<dl>
<dt>Buch »Projekt Weltethos«</dt>
<dd>Schon beim World Economic Forum 1990 in Davos trieb ihn das Thema um. »Warum brauchen wir globale ethische Standards, um zu überleben?«, fragte Hans Küng damals in einem Vortrag die versammelte Wirtschaftselite. Kurz darauf veröffentlichte der Tübinger Theologe, dem 1979 wegen seiner kritischen Haltung vom Papst die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden war, sein Buch »Projekt Weltethos«. In ihm forderte er für die »eine Weltgesellschaft« verbindende und verbindliche Normen, Werte und Ziele ein. Den »Neokapitalismus« geißelte er als »zukunftsunfähig«. Früh warnte Küng auch vor einem Finanzsystem, das – ungehemmt und ungeregelt – die Welt an den Rand des Abgrunds treiben könne.</p>
</dd>
<dt>Küngs Manifest</dt>
<dd>Mit dem unter Regie des Wirtschaftsethikers Josef Wieland  erarbeiteten und im Oktober bei den Vereinten Nationen vorgestellten Manifest »Globales Wirtschaftsethos« will Küng nun die Diskussion über ein verbindendes Wertegebäude auch für die globale Wirtschaft vorantreiben. Das »legitime Eigeninteresse« der Wirtschaftsakteure und die Gesetzlichkeiten von Markt und Wettbewerb, heißt es darin, müssten ernst genommen, zum Wohle aller aber »auf eine ethische Grundlage gestellt« werden. Wirtschaftliches Handeln solle sich an den Prinzipien der Humanität und an den Grundwerten der Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität, Wahrhaftigkeit und gegenseitigen Achtung orientieren: »Die Globalisierung &#8230; wird nur dann zum &#8230; Wohlstand und Vorteil aller Völker und ihrer Volkswirtschaften führen, wenn sie auf die beständige Kooperationsbereitschaft und werteorientierte Kooperationsfähigkeit aller Beteiligten und Betroffenen bauen kann.«</p>
</dd>
<dt>Die Umsetzung</dt>
<dd>Küng glaubt, dass ein globales Wirtschaftsethos auf moralischen Prinzipien und Werten sowie gemeinsamen Vorstellungen über Recht und Fairness gründen kann, die von allen Weltkulturen geteilt werden. Umgesetzt werden müsse es jedoch nicht vom Staat, sondern zunächst von jedem Unternehmer, Investor, Beschäftigten und Verbraucher selbst. Auf lange Sicht, so die Überzeugung des 81-Jährigen, könne das Manifest ebenso wegweisend werden wie die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948.</p>
<p>Zu den Erstunterzeichnern des Papiers gehören der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die frühere UN-Kommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, und der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs. Drei deutsche Unternehmer haben an der Erklärung mitgearbeitet: Hermut Kormann, Exchef des Maschinenbauers Voith, Wolfram Freudenberger von der Firmengruppe Freudenberger und Karl Schlecht, der Gründer des Betonpumpen- Herstellers Putzmeister.</p>
</dd>
</dl>
</div>
<p><strong>ZEIT:</strong> Das Funktionieren von Staat und Institutionen ist abhängig von der Moralität?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Aber sicher! Diese Krise bietet uns doch dafür eklatante Beweise. Lug und Trug gab es in der Politik, an der Wall Street und in allen anderen Bereichen der Wirtschaft. Wenn man sich in einer Periode der verlotterten Moral befindet, darf man sich nicht wundern, wenn das auf Institutionen und Märkte übergreift.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Was macht Sie hoffnungsvoll, dass Ihr Manifest nun auch wirkt?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Was wäre die Welt, wenn wir, simpel gesagt, die Zehn Gebote nicht hätten? Was wäre die Welt ohne die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen? Natürlich wird diesen Normen ständig zuwidergehandelt. Das Ethos ist kein Istzustand, es ist ein Sollzustand, trotzdem nicht graue Theorie, sondern eine sehr praktische Sache.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Allerdings haben Sie schon 1990 geschrieben, die Welt sei reif für die Wiederentdeckung von Moralität und Integrität. Sie konstatierten damals das Ende der Großideologien und meinten damit auch den Kapitalismus mit seinem Fortschritts- und Wachstumsglauben. 20 Jahre später hat dieser Kapitalismus – ungehemmter denn je – die Welt an den Rand des Ruins getrieben. Waren Sie zu blauäugig?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Sie haben recht, das war eine große Enttäuschung. Ich dachte damals, dass alle Welt die Beschränktheit dieser Großideologien eingesehen hätte. Immerhin sagte US-Präsident George Bush senior damals: Wir brauchen eine neue Weltordnung. Man hätte annehmen können, dass die Menschheit darauf drängen würde, dass die durch den Fall des Kommunismus erst ermöglichte Globalisierung auch zu einem moralisch unterfütterten und anders organisierten Wirtschaftssystem führen muss. Aber das geschah nicht.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Woran lag das?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Das lag einerseits am Versagen einzelner Führungspersonen, aber auch am Versagen der Wissenschaft.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Der ökonomischen Wissenschaft?</p>
<div>
<blockquote><p>Die Moralität ist kein Sahnehäubchen. Eine moralisch-ethische Rahmenordnung muss die wirtschaftliche wie auch die staatliche und politische Ordnung stützen</p></blockquote>
</div>
<p><strong>Küng:</strong> Genau. Die Ökonomen haben uns allen mit ihren mathematischen Modellen eine Scheinsicherheit vorgegaukelt, die absolut nicht zu erreichen war. Sie spiegeln einfach nicht die Wirklichkeit wider. All diese Modelle haben die Voraussetzung des ständigen Fortschritts, nach dem Motto: Es geht immer voran, und wenn es mal runtergeht, dann ist es nur vorübergehend. Solche Modelle haben alle geblendet. Aber auch die internationalen Organisationen haben versagt.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Kann man wirklich einzelne Akteure oder Organisationen verantwortlich machen, weil sie sich vielleicht zu wenig auf moralisch-ethische Rahmenbedingungen besonnen haben? Liegt es nicht am System? Am Kapitalismus?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Ich habe 1990 gesagt, dass es die Marktwirtschaft ist, die sich durchgesetzt hat. Nicht der Kapitalismus.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Ob Marktwirtschaft oder Kapitalismus, ist nicht beider Ethik die Erfolgsethik: zu machen, was funktioniert und was Profit bringt?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Eine Erfolgsethik ist, mit Verlaub, keine Ethik. Der Erfolg als solcher rechtfertigt gar nichts. Dann wäre auch der Aufseher eines Konzentrationslagers erfolgreich. Natürlich ist Erfolg in der Ökonomie außerordentlich wichtig. Aber er darf nicht zur Norm gemacht werden. Das Manifest sagt deutlich: Wir benötigen Eigeninteresse, persönliche Initiative und Wettbewerb. Nur muss eben überall dort auch Moralität und Integrität gelebt werden. In der sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik war das ja auch mehr oder minder immer der Fall. Darüber müssen wir reden, nicht über den Kapitalismus. Eine um die ökologische Ausrichtung ergänzte soziale Marktwirtschaft ist das einzige System, das auf Dauer funktionieren kann. Bei uns und weltweit.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Aber warum soll ein Unternehmer ethisch handeln, wenn er dadurch ein Geschäft verliert?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Weil er langfristig denken sollte! Auf lange Sicht wird unethisches Verhalten immer negative Folgen haben. Erstens kommt unmoralisches Wirtschaften unter Umständen in Konflikt mit den Gesetzen. Irgendwann wird man halt erwischt – die Korruption bei Siemens war dafür das beste Beispiel. Zweitens benötigt ein Geschäftsmann Vertrauen und Verlässlichkeit, um effizient wirtschaften zu können. Kurzfristig kann er versuchen, seinen Partner über den Tisch zu ziehen, auf Dauer wird ihm das schaden. Und drittens benötigt ein Unternehmen Glaubwürdigkeit. Keine Firma kann in ihrer Gemeinde, ihrem Land und bei ihren Beschäftigten und Kunden erfolgreich sein, wenn sie wiederholt gegen die Gebote des Anstands verstößt. Gegen die öffentliche Meinung kann sich ein Unternehmen auf Dauer nicht durchsetzen.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Herr Küng, es gibt seit Langem überall anerkannte Normen – zum Beispiel die Regeln der Internationalen Arbeitsorganisation gegen Kinderarbeit. Aber Kinderarbeit ist in vielen Ländern nach wie vor Realität, weil sie wirtschaftliche Vorteile bringt. Da ist das Gewinnstreben doch stärker als jeder erhobene Zeigefinger!</p>
<p><strong>Küng:</strong> Seien Sie doch nicht so simplistisch. In Europa verhält es sich mit der Kinderarbeit schon anders als in Indien – und auch wir haben uns verändert. Meine Mutter kommt aus einer Schweizer Bauernfamilie, da haben natürlich noch alle Kinder mitgearbeitet. Man muss freilich gleichzeitig auf eine gute Schuldbildung achten. Viele international tätige Firmen haben das realisiert. Der Hamburger Otto-Versand ist dafür ein gutes Beispiel. Zudem gibt es Selbstkontrollen bei Sportartikeln oder Teppichen und vieles mehr. Das alles ist natürlich ein langfristiger Prozess, und alles fängt mit dem Bewusstsein an. Kluge Unternehmensführer wissen das.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Aus Überzeugung oder weil es gut für das Marketing ist?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Warum nicht aus beiden Gründen? Moral und persönliches Interesse können doch Hand in Hand gehen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Aber liebe dich ruhig auch selbst.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Sagen Sie das auch der indischen Familie, die meint, ohne die Arbeit der Kinder nicht auszukommen?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Natürlich. Wir können auch in Indien nicht von einem Tag auf den anderen eine vollkommen andere Ökonomie auf die Beine stellen. Da sollte man einer indischen Familie, die das Geld braucht, nicht mit Moralappellen kommen. Jede ethische Norm muss angewendet werden auf die bestimmte Situation. Eine Norm ohne Situation ist leer. Umgekehrt ist eine Situation ohne Norm blind. Man benötigt beides, um eine konkrete Entscheidung zu treffen.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Versuchen wir das doch mal vor der eigenen Haustür. Jeder kennt das: ein Restaurant mit einem illegalen afrikanischen Immigranten in der Küche. Der Wirt beschäftigt ihn zu einem Hungerlohn, aber er beschäftigt ihn. Und der Migrant schickt einen Teil des Geldes nach Ghana zu seiner Familie. Was sagen Sie dem Wirt?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Zunächst mal eine grundsätzliche Antwort. Dieses Manifest ist nicht dazu da, Einzelfälle zu lösen. Die Normen sollen Richtlinien sein. Wir fangen mit dem Humanitätsprinzip an. Es kommt also zunächst darauf an, ob die Würde dieses Afrikaners gewahrt ist. Sagt er: Ich bin heilfroh, dass ich hier hinter der Theke stehen darf? Ein Großteil der ethischen Entscheidungen sind im Grunde Güterabwägungen, wo es sehr oft auch Argumente für das Gegenteil gibt. Wo Sie fragen müssen: Wenn der Wirt den einstellt – ist das nun ein Fall von Ausbeutung, oder ist es nicht doch eine gute Tat, dass er eine Arbeitsstelle bekommt? Ein typisches ethisches Dilemma, bei dem Norm und Situation berücksichtigt werden müssen. Der Wirt muss sich nach seinem Gewissenskompass richten.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Ist das nicht immer so bei ethischen Prinzipien? Wenn man sie in der Wirklichkeit anwendet, steht man vor großen Problemen.</p>
<div>
<blockquote><p>Es gibt Prozesse, die uns Menschen vorangebracht haben. Das gibt mir das Recht, zu sagen: Das ist auch in Sachen Weltethos und Ethos für die Wirtschaft möglich</p></blockquote>
</div>
<p><strong>Küng:</strong> Vor Problemen schon. Aber ein Großteil der Fälle ist eindeutig. Wenn jemand ausgebeutet wird, geht das gegen das Prinzip der Humanität und der Gegenseitigkeit. Natürlich gibt es immer auch die speziellen Dilemmata, bei denen man die konkrete Situation kennen muss. Ich weigere mich, da den Schiedsrichter zu spielen. Das Manifest ist kein Rezeptkasten, aus dem Sie nur den Paragrafen herausziehen müssen und wissen, wie es läuft.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Andererseits gibt es ganz klare moralische Überzeugungen auch für konkrete Situationen – gegen die der Einzelne dennoch verstößt. Muss man es dem Banker moralisch verübeln, dass er Geld nimmt, das ihm sein Unternehmen anbietet, vor allem dann, wenn der Steuerzahler die Bank gerettet hat?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Vorneweg gesagt: Die Bilanzmanipulationen, die Korruption der Ratingagenturen, das Versagen der amerikanischen Zentralbank – all das hat das Vertrauen mehr zerstört und war schlimmer als diese Boni-Geschichten. Die Banken hätten als Erstes ihre Schuld eingestehen sollen, auch das gehört zu einem ethischen Verhalten. Sollen die Banker mal beichten, und zwar durchaus öffentlich. Ich glaube, viele anständige Bankangestellte leiden darunter, dass eine bestimmte Gruppe in der Hochfinanz ihre Möglichkeiten ziemlich schändlich ausgenutzt hat.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Waren Banker früher anders?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Ich glaube schon. Früher gab es noch das Ideal des ehrenwerten Kaufmanns. Mit Karl Klasen zum Beispiel, dem früheren Bundesbank-Präsidenten, konnte man noch leicht darüber reden, dass man gewisse Dinge einfach nicht tut. Jetzt ist vielerorts ein neuer Typ von Banker, Unternehmer oder Manager am Ruder.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Wie würden Sie den beschreiben?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Rein erfolgsorientiert. Clever. Trickreich. Und von ethischen Prinzipien nicht sehr bestimmt.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Und der nimmt den Bonus mit.</p>
<p><strong>Küng:</strong> Und der nimmt den Bonus mit.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Muss in einem solchen Fall nicht der Staat als Normengeber antreten?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Einerseits ja, das Manifest ist ausdrücklich nicht nur an die Arbeitgeber oder die Kapitalseite gerichtet, sondern an alle, auch an die Konsumenten. Der Kontrapunkt: Mit Gesetzen allein schafft man gar nichts. Schon die alten Römer wussten, wenn die Sitte abhandenkommt, nützen die Gesetze nichts. An Gesetzen fehlt es überwiegend nicht, aber Gesetze ohne Ethos werden umgangen, ignoriert, uminterpretiert. Es gibt so viele intelligente Juristen, die immer wieder einen Weg drum herum finden. Wenn nicht der Geist der Fairness da ist, nützen die Regeln daher wenig.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Aber wie verankert man diesen Geist im Unternehmen?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Entscheidend ist, ob ethische Kriterien schon bei der Personalauswahl zur Geltung kommen. Das gilt auch, wenn jemand aufsteigt. An der Wall Street – aber auch bei europäischen Banken – sind oft ganz junge Leute ganz schnell nach oben gekommen. Da ist es doch gar nicht möglich, zu prüfen, ob sie das notwendige ethische Rüstzeug haben.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Es geht um Unternehmenskultur.</p>
<p><strong>Küng:</strong> Ja. Und da spielen Führungspersönlichkeiten eine wichtige Rolle. Sie müssen Moralität und Integrität vorleben. Bei Bosch muss jeder, der in eine verantwortliche Position kommt, unterschreiben, dass er sich an die Gesetze hält. Tut er es nicht, wird die Firma nicht dafür aufkommen.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Wie gehen Sie dann mit Unternehmen um, die Ihr Manifest unterschreiben, die aber in der Realität Dinge tun, die Ihnen Bauschschmerzen verursachen?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Es wäre völlig unrealistisch, wenn sich unsere Stiftung zum Richter machen würde. Keiner der Unterschreibenden, das haben wir klar herausgestellt, kann verantwortlich gemacht werden für alles, was in seinem Unternehmen geschieht. Wir stellen keine Zertifikate aus und veröffentlichen keine Rangliste über gute Unternehmensführung. Trotzdem überlegen es sich die Unternehmen, ob sie unterschreiben.</p>
<p><strong>Zeit:</strong> Weil sie sich angreifbarer machen würden?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Natürlich. Weil sie dann mit den Inhalten der Erklärung konfrontiert werden könnten. Es geht wie gesagt um Bewusstseinsveränderung. Das wichtigste Charakteristikum dieses Manifests ist ja, dass wir aus dem ungeheuren Schatz der Tradition der gesamten Menschheit schöpfen. Die Verfasser des Manifests brauchten also nichts neu zu erfinden. Wir alle gemeinsam müssen uns nur erneut dieses Schatzes bewusst werden.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Obwohl es noch immer große Unterschiede zwischen den Kulturkreisen gibt?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Natürlich gibt es keine Norm, die nicht kulturell geprägt ist. Folglich ist zum Beispiel unser Begriff von Wahrhaftigkeit ein anderer als etwa der in Asien. Ein Japaner lächelt noch, obwohl er nein meint. Aber gleichzeitig gibt es Konstanten, die in der Menschheit da sind und die überall gelten. Es stimmt einfach nicht, dass in Asien alles anders ist. Auch in Japan können Sie nicht einfach lügen. Auch dort wird Korruption bestraft.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Sie glauben, dass wir uns tatsächlich auf den Weg zu einem »Weltethos« machen können?</p>
<p><strong>Küng:</strong> Wir sind längst dabei. Die Geschichte zeigt zwar, dass solche Prozesse lange dauern. Aber sie zeigt auch, dass die Menschheit ganz erfolgreich war. Nehmen Sie die USA. Vergleichen Sie die Situation von vor 50, 60 Jahren mit der von heute. Sie stellen fest, dass vier Gruppen, die damals nichts zählten, jetzt viel zu sagen haben. Wissen Sie welche?</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Die Schwarzen…</p>
<p><strong>Küng:</strong> Die Schwarzen und zuvor schon die Juden, die Katholiken – und die Frauen! Diese ungeheure Veränderung zeigt, wozu eine Gesellschaft fähig ist. Warum also nicht auch im Bereich der Wirtschaft? Ich lebe nicht im Wolkenkuckucksheim. Aber man muss anerkennen, dass es Prozesse gibt, die uns Menschen vorangebracht haben. Es ist gewaltig viel geschehen. Das gibt mir das Recht, zu sagen: Auch in Sachen Weltethos und Ethos für die Wirtschaft ist vieles möglich.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Ihr Optimismus in Ehren…</p>
<p><strong>Küng:</strong> …hören Sie, in Deutschland denkt doch heute in den Bereichen Friede und Abrüstung, Ökonomie und Ökologie und Partnerschaft von Mann und Frau so gut wie niemand mehr noch so wie vor 30 Jahren! Gerade ist in Kopenhagen der Weltklimagipfel zu Ende gegangen. Natürlich wurde da gekämpft, und natürlich kann man mit dem Resultat nicht zufrieden sein. Aber dass es überhaupt zu dieser historischen Auseinandersetzung gekommen ist, ist doch ein Ereignis ersten Ranges für die Menschheit! Und wissen Sie was: Im Grunde genommen ging es immer auch um ethische Fragen. Überall wurde auch mit ethischen Argumenten gearbeitet. Ist das nichts?</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Herr Professor Küng, wir danken Ihnen für das Gespräch.</p>
<p>Das Gespräch führten       <strong>Anna Marohn</strong> und       <strong>Christian Tenbrock</strong></p>
<ul>
<li> <strong>Copyright</strong> DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01</li>
<li> <strong>Adresse</strong> http://www.zeit.de/2010/01/Interview-Kueng</li>
</ul>
<br />Veröffentlicht in Engagiertes Tagged: Ethos, Fairness, Hans Küng, Integrität, Moral, Unternehmenskultur, Weltethos <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/157/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/157/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=157&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Thich Nhat Hanh &#8222;Peace is every step&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 12:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenseits von ego</dc:creator>
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		<description><![CDATA[A plea to stop killing each other. Watch the movie Und hier ist der link zur Seite von Plum Village dem Zentrum von Thich Nhat Hanh in Frankreich Veröffentlicht in Engagiertes, Sehenswertes Tagged: Peace, Thich Nhat Hanh<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=151&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>Und hier ist der link zur Seite von <a href="http://www.plumvillage.org" target="_blank">Plum Village</a> dem Zentrum von Thich Nhat Hanh in Frankreich</p>
<br />Veröffentlicht in Engagiertes, Sehenswertes Tagged: Peace, Thich Nhat Hanh <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jenseitsvonego.wordpress.com/151/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jenseitsvonego.wordpress.com/151/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jenseitsvonego.wordpress.com&amp;blog=10771437&amp;post=151&amp;subd=jenseitsvonego&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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